Alter Zweitkühlschrank: Bis zu 140 Euro Strom pro Jahr
Symbolbild: Herstellerfoto Samsung (modernes Gerät), freigestellt auf neutralem Hintergrund.
Im Keller brummt er seit Jahren vor sich hin: der alte Kühlschrank, der „nur für die Getränke“ übrig blieb, oder die Gefriertruhe aus der Zeit, als noch fünf Personen am Tisch saßen. Niemand schaut hin, denn er läuft ja einfach. Genau das ist das Problem, und im Winter kommt ein zweites dazu, das mit dem Strompreis nichts zu tun hat.
Ich hänge jedes Gerät, dessen Verbrauch ich nicht kenne, zuerst an eine Messsteckdose, bevor ich irgendetwas über seine Kosten sage. Bei Dauerläufern wie Kühlgeräten lohnt das besonders, weil kleine Werte sich über 8.760 Stunden im Jahr aufsummieren. Dieser Beitrag rechnet nach, was ein altes Zweitgerät kostet, warum es im kalten Keller zum Risiko werden kann und wie Sie in einem Tag herausfinden, was Ihres wirklich zieht.
Was kostet ein alter Zweitkühlschrank im Jahr?
Bei 35 Cent je kWh kostet ein 15 Jahre alter Kühlschrank mit etwa 250 kWh rund 88 Euro im Jahr, ein älteres Modell mit 400 kWh rund 140 Euro. Ein sehr altes Gefriergerät kann mit bis zu 950 kWh über 330 Euro erreichen. Ein modernes Gerät kommt mit etwa 150 kWh auf rund 53 Euro.
Die kWh-Größenordnungen stammen aus veröffentlichten Verbrauchsangaben: Eine Pressemitteilung mit Bezug auf die Verbraucherzentrale nennt für einen 15 Jahre alten Kühlschrank etwa 250 kWh im Jahr und für ein 20 Jahre altes Gefriergerät bis zu 950 kWh. Ein Strompreis-Portal setzt ältere Geräte bei 400 kWh und mehr an, ein effizientes neues bei rund 150 kWh. Bei Kühl-Gefrier-Kombinationen nennt ein weiteres Portal etwa 330 kWh für ein zwölf Jahre altes Gerät. Das sind Richtwerte, keine Messung an Ihrem Gerät. Der Strompreis von 35 Cent ist ein Rechenbeispiel, mit Ihrem Tarif verschieben sich die Euro-Werte proportional. Wie Sie den Tarif prüfen, steht in Stromanbieter wechseln im Herbst.
Eigene Darstellung, Rechenbeispiel.
Warum frisst gerade das Zweitgerät so viel?
Drei Gründe treffen sich bei Zweitgeräten. Erstens ist es meist das älteste Gerät im Haus, denn das neue Küchengerät hat das alte verdrängt. Ein Freiburger Test, den Ökotest zitiert, geht davon aus, dass der Verbrauch mit dem Alter um etwa ein Prozent pro Jahr steigt, unter anderem weil Dichtungen und Technik nachlassen. Zweitens läuft es ohne Kontrolle: Niemand bemerkt die vereiste Rückwand, die verhärtete Türdichtung oder den Kompressor, der ständig arbeitet. Drittens ist es oft halb leer, und ein halb leeres Gerät kühlt bei jeder Türöffnung viel Luft neu.
Dazu kommt der Faktor „vergessen“. Ein Gerät, das für ein Grillfest im Sommer angeschafft wurde und seit Oktober nur noch vier Flaschen Wasser enthält, läuft trotzdem 8.760 Stunden im Jahr. Das ist keine Rechnung, die auf der Stromabrechnung sichtbar wird, sondern ein Teil der Grundlast. Wie sich solche Dauerläufer aufsummieren, habe ich im Beitrag Stand-by-Dauerlast vorgerechnet.
Was passiert, wenn der Keller im Winter unter 10 Grad fällt?
Jedes Kühlgerät ist für einen Umgebungsbereich gebaut, die Klimaklasse. Klasse SN gilt für 10 bis 32 Grad, Klasse N für 16 bis 32 Grad. Steht das Gerät kälter, liegt es außerhalb der Herstellervorgaben: Es erreicht seine Soll-Temperatur womöglich nicht mehr, die Garantie kann erlöschen.
Das ist der Teil, den kaum jemand auf dem Schirm hat, und er betrifft genau die Jahreszeit, die jetzt beginnt. Ein Kühlgerät kühlt gegen die Wärme des Raums. Ist der Raum selbst kalt, arbeitet das Gerät außerhalb seines Auslegungsbereichs. Die gängige Erklärung für das typische Fehlerbild bei Kühl-Gefrier-Kombinationen lautet: Der Temperaturfühler sitzt im Kühlteil, dort ist es im kalten Keller auch ohne Kompressor kalt, also springt der Kompressor nicht an, und das Gefrierfach wird wärmer, bis das Gefriergut antaut. Ich habe das nicht selbst nachgemessen, es deckt sich aber mit den Hinweisen der Hersteller und Fachportale zur Klimaklasse. Verlassen Sie sich also nicht darauf, dass „es im Keller doch schön kalt ist“.
| Klimaklasse | Umgebungstemperatur | Eignung für ungeheizten Keller oder Garage im Winter |
|---|---|---|
| SN | 10 bis 32 °C | Nur, wenn der Raum nie unter 10 °C fällt |
| N | 16 bis 32 °C | Nein, im Winter nicht in unbeheizten Räumen |
| ST | 18 bis 38 °C (Hersteller teils 16 °C) | Nein |
| T | 16 bis 43 °C | Nein |
Für Garagen und Schuppen, die im Winter bis in den Frostbereich kommen, gibt es eigens ausgewiesene Geräte, die Hersteller für Umgebungen bis etwa minus 15 Grad ausloben. Die Klimaklasse Ihres Geräts steht auf dem Typenschild, meist im Innenraum an der Seitenwand oder hinten am Gerät. Kosten und Risiko hängen also an derselben Frage: Passt das Gerät zum Ort, an dem es steht?
Wie finde ich in 24 Stunden heraus, was mein Gerät wirklich zieht?
Ein Energiekosten-Messgerät zwischen Steckdose und Kühlschrank stecken, 24 Stunden laufen lassen, die kWh ablesen und mit 365 multiplizieren. Das ergibt einen Näherungswert, den Sie mit Ihrem Strompreis in Euro umrechnen. Besser ist eine Messung über mehrere Tage.
So gehen Sie vor, vom Einfachen zum Aufwendigen:
- Kostenlos: Typenschild lesen. Dort stehen Klimaklasse und oft der Jahresverbrauch. Der Wert ist ein Normwert unter Laborbedingungen, ein altes Gerät mit müder Dichtung liegt im Alltag eher darüber.
- Günstig: Eine Messsteckdose für wenige Euro. Zwei Hinweise aus meiner Praxis: Messen Sie nicht an einem Tag mit offener Tür und frisch eingeräumten Getränken, und notieren Sie die Raumtemperatur dazu. Eine Sommer-Messung im Keller gilt für den Winter nicht: Der Verbrauch schwankt mit der Raumtemperatur, und ob das Gerät bei Kälte noch sauber arbeitet, zeigt nur ein Blick auf die Gefriertemperatur im Winter.
- Smart: Eine funkende Steckdose mit Verbrauchsmessung liefert die Verläufe gleich mit, und eine Meldung bei Stromausfall oder auffälliger Leistung ist eine der einfachsten Automationen überhaupt. Gefriergut taut bei einem Ausfall nach Stunden an. Was bei einem längeren Ausfall im Winter hilft, steht in Heizung bei Stromausfall im Winter.
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Wann lohnt der Austausch, wann reicht Abschalten?
Spart ein neues Gerät etwa 250 kWh im Jahr, sind das bei 35 Cent rund 88 Euro. Ein Neugerät für 450 Euro hätte sich dann nach etwa fünf Jahren bezahlt gemacht. Wird das Zweitgerät kaum genutzt, ist Abschalten günstiger als jeder Austausch.
Die Rechnung ist einfach, wenn Sie die Messwerte haben: Differenz der Jahresverbräuche mal Strompreis ergibt die jährliche Ersparnis, der Kaufpreis geteilt durch diese Ersparnis die Amortisationszeit. Das Neugerät mit 450 Euro ist ein Rechenbeispiel, kein Angebot. Wer das Rechenwerk mit seinem Tarif durchspielen will, nimmt den Stromkosten-Rechner.
- Gerät wird nur zu Festen gebraucht: Abschalten, abtauen, Tür offen lassen gegen Gerüche. Ein altes Gerät mit 400 kWh verursacht rund 0,38 Euro am Tag, das sind in zehn Wochen Leerlauf über 25 Euro für nichts.
- Gerät ist dauerhaft gefüllt und steht kalt: Ersatz prüfen, und beim Kauf auf eine Klimaklasse achten, die zum Standort passt.
- Gerät ist gar nicht nötig: Inhalt in die Küchengeräte umziehen, weg damit. Ein ausgedientes Kühlgerät geben Sie beim Händler oder Wertstoffhof zurück, weil die Kältemittel fachgerecht entsorgt werden müssen.
Ein Sicherheits- oder Ersparnisversprechen gibt es nicht: Wie viel Ihr Gerät zieht, hängt von Alter, Standort, Befüllung und Dichtungen ab. Die Messung zeigt es, wo ein Richtwert nur schätzt. Und auch beim Frostschutz im Keller lohnt der Blick auf das große Ganze: Wo im Haus im Winter Gefahr für Leitungen droht, steht in Frostschaden an der Wasserleitung.
Fazit
Ein alter Zweitkühlschrank ist ein stiller Dauerverbraucher: Je nach Alter zwischen rund 90 und 140 Euro im Jahr, ein Gefriergerät noch mehr. Im Winter kommt die Frage dazu, ob das Gerät am kalten Standort überhaupt arbeiten darf. Prüfen Sie am Wochenende die Klimaklasse auf dem Typenschild, hängen Sie eine Messsteckdose dazwischen und entscheiden Sie dann: behalten, ersetzen oder abschalten. Das kostet einen Tag Wartezeit und kann sich jedes Jahr auszahlen.
Quellen und Stand: Verbrauchsrichtwerte nach einer Pressemitteilung mit Bezug auf die Verbraucherzentrale (Kühlschrank 15 Jahre etwa 250 kWh, Gefriergerät 20 Jahre bis 950 kWh; ältere Veröffentlichung), nach StromAuskunft (Kombination 12 Jahre etwa 330 kWh) und Stromvermittlung (alt über 400 kWh, neu etwa 150 kWh); Alterungszuschlag etwa ein Prozent pro Jahr nach einer von Ökotest zitierten Freiburger Studie; Klimaklassen nach Haustechnikdialog und Hausjournal; Geräte für kalte Umgebungen nach Coolblue. Der Strompreis von 35 Cent je kWh und der Neupreis von 450 Euro sind Rechenbeispiele, alle Kosten sind keine Messwerte. Stand 01.11.2026.