Stromausfall im Winter: Warum die Heizung mit ausfällt
Symbolbild: KI-generiert.
Am 1. Oktober beginnt offiziell die Heizperiode – und mit ihr ein Szenario, über das kaum jemand nachdenkt, bis es passiert: Der Strom fällt an einem Januarabend aus. Der Öltank ist voll, die Gasleitung offen, der Kessel unbeschädigt. Trotzdem wird es nach einer Weile kalt, weil die Heizung mit dem Strom auch ihre Steuerung und ihre Pumpe verliert. Ich sortiere solche Lagen nach 35 Jahren bei der Hamburger Polizei gern nach zwei Fragen: Was passiert dabei wirklich, und wie wahrscheinlich ist es? Beides gehört hierher – auch die Entwarnung.
Warum fällt die Heizung bei Stromausfall aus, obwohl Gas oder Öl da ist?
Kurzantwort: Weil der Brennstoff nur die halbe Heizung ist. Die andere Hälfte ist Elektrik: Regelung, Zündung, Gebläse und vor allem die Umwälzpumpe, die das warme Wasser zu den Heizkörpern schiebt. Fällt der Strom aus, schaltet der Brenner ab oder die Wärme bleibt im Kessel hängen – und die Wohnung kühlt aus.
Der Punkt ist eine Ironie der Technik: Der Strombedarf ist winzig, die Abhängigkeit aber vollständig. Laut co2online verbraucht eine neuere Gasheizung etwa 120 bis 250 Kilowattstunden Strom im Jahr, bei Altanlagen mit ineffizienter Pumpe sind es bis zu 700. Die Umwälzpumpe ist dabei „mit Abstand größter Stromverbraucher“, dazu kommen Steuerung, elektronische Zündung und das Gebläse für die Luftzufuhr. Bei Hocheffizienzpumpen zeigt das Display laut co2online eine Leistungsaufnahme von 3 bis 18 Watt an – das ist weniger als eine Glühbirne. Und ohne diese paar Watt bleibt das Haus kalt.
| Heizungsart | Was braucht Strom? | Bei Stromausfall |
|---|---|---|
| Gas- oder Öl-Zentralheizung | Steuerung, Zündung, Brenner bzw. Gebläse, Umwälzpumpe | Brenner geht aus, Heizkörper werden nicht mehr versorgt |
| Pelletheizung | je nach Modell Zündung, Pelletförderung, Gebläse, Pumpe | fällt in der Regel ebenfalls aus |
| Wärmepumpe | Verdichter, Ventilator bzw. Pumpen, Regelung | ohne Strom keine Wärme, dazu hoher Leistungsbedarf |
| Holz- oder Kaminofen ohne Gebläse | nichts | läuft weiter, wenn Brennstoff vorrätig und der Ofen zum Heizen des Raums geeignet ist |
Wie wahrscheinlich ist ein Stromausfall im Winter – und wie lange dauert er?
Kurzantwort: Selten und meist kurz: Nach Zahlen der Bundesnetzagentur war jeder Anschluss 2024 im Schnitt nur 11,7 Minuten ohne Strom. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) schreibt, Stromausfälle seien in der Regel in wenigen Stunden behoben – bei großflächigen Schäden könnten es aber auch Tage werden.
Das ist die Entwarnung, und sie ist echt: Der Wert lag 2023 bei 12,8 und 2024 bei 11,7 Minuten. Ich möchte diese Zahl aber nicht größer machen, als sie ist. Die Bundesnetzagentur wertet nur ungeplante Unterbrechungen aus, die länger als drei Minuten dauern und nicht auf höhere Gewalt zurückgehen – also nicht auf Extremereignisse wie Sturm oder Hochwasser. Ein Durchschnitt über Millionen Anschlüsse sagt zudem nichts über Ihre Straße. Für Ihr Haus heißt das: Ein Ausfall von ein, zwei Stunden ist unangenehm, aber in den meisten Häusern beherrschbar; wie schnell es wirklich kalt wird, hängt von Dämmung, Außentemperatur und Bauweise ab.
Ernst wird es bei einem Ausfall über viele Stunden bis Tage bei Dauerfrost. Dann kommen zur Auskühlung noch mögliche Frostschäden an wasserführenden Leitungen dazu – der Punkt, an dem aus einem Komfortproblem ein Sachschaden wird. Besonders vorbereiten sollten sich Haushalte mit kleinen Kindern, Pflegebedürftigen und älteren Angehörigen (dazu mehr im Ratgeber Smart Home für Senioren) sowie alle in schlecht gedämmten Altbauten. Wer in einem gut gedämmten Haus lebt und einen Ofen oder gute Decken hat, kann ruhig bleiben.
Was hilft bei Stromausfall – in drei Stufen
Wie bei jedem Vorsorgethema lohnt es sich, mit dem zu beginnen, was nichts kostet, und ein Produkt erst am Ende zu erwägen:
- Kostenlos: Das BBK rät, sich möglichst in einem Raum aufzuhalten und die Türen geschlossen zu halten, damit die Wärme nicht entweicht. Mit warmer Kleidung und Decken lasse sich die Heizung „eine Zeit lang ersetzen“. Regelmäßiges Lüften bleibt wichtig, besonders wenn Kerzen brennen – sie verbrauchen Sauerstoff. Dazu zwei Handgriffe, die vorher zu erledigen sind: im Heizungshandbuch nachlesen, wie die Anlage nach einem Stromausfall neu startet (manche melden danach eine Störung und brauchen eine Entstörung), und die Nummer des Heizungsbauers notieren. Und: einmal bei den Nachbarn fragen, wer einen Ofen hat.
- Günstig: Ein Kohlenmonoxid-Warnmelder – das BBK nennt ihn ausdrücklich als Sicherheitsgewinn – dazu Schlafsäcke, Taschenlampen statt Kerzen und eine Powerbank für das Handy. Batteriebetriebene Rauchmelder sollten ohnehin hängen (Vergleich der Rauchmelder). Wer einen Kamin- oder Kachelofen hat, legt sich einen Brennstoffvorrat an, wie das BBK es empfiehlt. Und wer keinen hat, kann prüfen lassen, ob eine alternative Heizquelle möglich ist – das BBK empfiehlt dafür Fachberatung.
- Produkt: Notstrom für die Heizungssteuerung, wenn Ihre Heizung nur wenige Dutzend Watt braucht und das Risiko für Ihr Haus real ist (etwa Altbau, Pflege, lange Ausfallzeiten in Ihrer Region). Wie das geht und worauf es ankommt, steht im nächsten Abschnitt.
Wann lohnt sich eine Powerstation oder ein Notstromanschluss für die Heizung?
Kurzantwort: Wenn Ihre Heizung nur Steuerung und Pumpe versorgen muss – also bei Gas, Öl oder Pellets –, kann schon eine Powerstation mit rund einer Kilowattstunde für viele Stunden reichen. Entscheidend sind die Wattzahl im Datenblatt und ein fachgerechter Anschluss. Wärmepumpen brauchen deutlich mehr Leistung und eine passend ausgelegte Notstromlösung.
So rechnen Sie es selbst: Watt mal Stunden ergibt Wattstunden. Nehmen wir als Rechenbeispiel, nicht als Messwert, 60 Watt für Steuerung, Gebläse und Pumpe. Über 12 Stunden sind das 720 Wattstunden. Den echten Wert Ihrer Anlage finden Sie im Datenblatt oder auf dem Typenschild; die Pumpe allein liegt bei einer Hocheffizienzpumpe laut co2online bei 3 bis 18 Watt, alles andere kommt dazu. Von der Nennkapazität einer Powerstation kommt nie alles an der Steckdose an, und der Anlaufstrom der Pumpe braucht Reserve. Rechnen Sie also lieber eine Nummer größer. Eine Station mit 1.024 Wattstunden (Herstellerangabe) käme bei 60 Watt rechnerisch auf gut 17 Stunden – praktisch weniger.
Der wichtigere Teil ist der Anschluss. Eine Heizung ist fest verdrahtet, und ein improvisiertes Einspeisen ist gefährlich, unter anderem weil Strom ins öffentliche Netz zurückfließen könnte. Meine klare Empfehlung: Fragen Sie vorher den Heizungshersteller oder Heizungsbauer, ob die Anlage an einer Batterie- oder Wechselrichterquelle laufen darf (Erdung, Netztrennung, Anlaufstrom der Pumpe, Spannungsform), und lassen Sie die Einspeisestelle mit Umschalter von einer Elektrofachkraft einbauen. Wie man eine Powerstation grundsätzlich auswählt, steht im Powerstation-Ratgeber.
Bei der Wärmepumpe wird es teurer und komplizierter: Verdichter und Heizstab ziehen ein Vielfaches. Hat Ihr Haus Photovoltaik mit Speicher, entscheidet der Wechselrichter, ob er bei Netzausfall überhaupt Ersatzstrom liefert – und wofür. Warum das oft nicht automatisch klappt, erkläre ich im Ratgeber Stromausfall: Warum meine Solaranlage dann auch aus ist.
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Häufige Fragen
Warum fällt meine Gasheizung bei Stromausfall aus?
Weil Steuerung, Zündung, Gebläse und Umwälzpumpe elektrisch laufen. Der Brennstoff ist da, aber ohne Strom startet der Brenner nicht oder die Wärme wird nicht mehr zu den Heizkörpern gepumpt.
Kann ich meine Heizung bei Stromausfall mit einer Powerstation betreiben?
Bei Gas-, Öl- und Pelletheizungen kann das funktionieren, weil sie nur wenige Dutzend Watt brauchen. Voraussetzung sind ein Blick ins Datenblatt, die Freigabe des Herstellers und ein fachgerechter Anschluss durch eine Elektrofachkraft – kein Provisorium mit Verlängerungskabel.
Wie lange dauert ein Stromausfall in Deutschland im Schnitt?
Laut Bundesnetzagentur war 2024 jeder Anschluss im Schnitt 11,7 Minuten ohne Strom (2023: 12,8 Minuten). Erfasst sind ungeplante Unterbrechungen ab drei Minuten ohne höhere Gewalt. Das BBK schreibt, Ausfälle seien in der Regel in wenigen Stunden behoben, könnten bei großflächigen Schäden aber auch Tage dauern.
Was hilft ohne Kosten, wenn die Heizung ausfällt?
In einem Raum bleiben und die Türen schließen, warme Kleidung und Decken nutzen und regelmäßig kurz lüften – das empfiehlt das BBK. Dazu gehört, vorher im Heizungshandbuch nachzulesen, wie die Anlage nach einem Stromausfall neu startet.
Fazit: Erst Wissen und Decken, dann Notstrom
Ein Stromausfall im Winter ist selten und meist nach Stunden vorbei, aber er trifft die Heizung an ihrer schwächsten Stelle: Der Strombedarf ist klein, die Abhängigkeit vollständig. Die vernünftige Reihenfolge ist deshalb: erst das Handbuch lesen und einen Raum zum Überbrücken festlegen, dann Decken, Taschenlampen und einen Kohlenmonoxid-Melder besorgen – und nur wenn Ihr Haus oder Ihre Familie es wirklich nahelegt, über Notstrom nachdenken, nach Datenblatt gerechnet und von einer Fachkraft angeschlossen. Was die Heizsaison-Checkliste für den Normalbetrieb leistet, leistet diese Vorsorge für den Ausnahmefall.
Quellen
- Bundesnetzagentur: Versorgungsunterbrechungen Strom in 2024 gegenüber Vorjahr gesunken (Pressemitteilung vom 9. Oktober 2025)
- BBK: Vorsorge und Handeln bei Stromausfall
- co2online: Stromverbrauch einer Gasheizung und Heizungspumpen
Rechenbeispiele sind als solche gekennzeichnet; Leistungs- und Kapazitätsangaben zu Produkten sind Herstellerangaben.