Strom sparen

Stromanbieter wechseln im Herbst: Was Nichtstun kostet

Küchentisch am Herbstabend mit Stromabrechnung, Taschenrechner und Laptop beim Tarifvergleich

Symbolbild: KI-generiert.

Es ist Ende Oktober, die Heizung läuft, der Wasserkocher auch, und irgendwo in einer Schublade liegt die Stromabrechnung vom letzten Jahr. Wer nie gewechselt hat oder seit Jahren im gleichen Tarif steckt, zahlt oft still und freiwillig mehr als nötig. Das ist kein Vorwurf, sondern ein Rechenproblem, und es lässt sich in einem Abend lösen.

Ich messe und vergleiche im eigenen Haus seit Jahren, was Strom kostet: mit PV-Anlage, Speicher, Wallbox und einem dynamischen Tarif. Gerade deshalb weiß ich, wie leicht der Grundpreis des Vertrags aus dem Blick gerät, solange das Licht angeht. Dieser Beitrag klärt die Fragen, an denen ein Wechsel meist hängt: Lohnt es sich für mich, wie kündige ich, was ist mit dem Bonus, und wie lange dauert das?

Modellhaushalt 3.500 kWh im Jahr, Stand 18.10.2026 Grundversorgung: rund 40,4 Cent je kWh bei 3.500 kWh rund 1.413 Euro im Jahr Günstigster Neukundentarif: 30,48 Cent je kWh bei 3.500 kWh rund 1.067 Euro, also rund 346 Euro weniger Preise: StromAuskunft, Modellhaushalt. Jahreskosten sind ein eigenes Rechenbeispiel (Cent je kWh mal Verbrauch).

Eigene Darstellung nach Preisangaben von StromAuskunft (18.10.2026).

Lohnt sich der Wechsel im Herbst noch?

Meist ja, besonders aus der Grundversorgung. Nach den Daten von StromAuskunft kostete am 18. Oktober 2026 der günstigste Neukundentarif 30,48 Cent je kWh, die Grundversorgung rund 40,4 Cent. Bei 3.500 kWh im Jahr sind das gut 340 Euro Unterschied.

Die Zahlen stammen von StromAuskunft, gerechnet für einen Modellhaushalt mit 3.500 Kilowattstunden. Dort wird die Wechselersparnis aus der Grundversorgung in den günstigsten Tarif mit rund 346 Euro im Jahr angegeben. Zum Vergleich: Verivox nennt für Bestandskunden im August 2026 einen Durchschnitt von 31,4 Cent je kWh. Wer irgendwo zwischen diesen Werten liegt, spart weniger, wer in der Grundversorgung steckt, deutlich mehr.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens sind das Momentaufnahmen für einen Modellhaushalt, Ihr Tarif hängt von Postleitzahl und Verbrauch ab. Zweitens gilt der günstigste Preis oft nur mit Bonus oder Preisgarantie, dazu gleich mehr. Wie stark sich die Netzentgelte im nächsten Jahr auswirken, habe ich in Strompreis 2027 und Netzentgelte eingeordnet. Ihren eigenen Verbrauch rechnen Sie im Stromkosten-Rechner grob hoch.

Bin ich überhaupt betroffen?

Erst die Entwarnung: Wenn Sie in den letzten ein bis zwei Jahren selbst einen Tarif gewählt haben und Ihre Preisgarantie noch läuft, ist die Lage meist in Ordnung. Dann schauen Sie nur auf das Datum, an dem sie endet. Handeln sollten Sie, wenn mindestens eines davon zutrifft:

  • Sie sind in der Grundversorgung, zum Beispiel nach einem Umzug oder weil der alte Anbieter pleiteging.
  • Sie haben seit mehr als zwei Jahren nicht verglichen.
  • Ihr Anbieter hat eine Preiserhöhung angekündigt.
  • Ihr Bonus-Jahr ist vorbei und der Preis steht jetzt im Normalmodus.

Den Tarifnamen und das Ende von Mindestlaufzeit und Preisgarantie finden Sie in der letzten Abrechnung oder im Kundenkonto. Dort steht auch Ihr Jahresverbrauch, den Sie für jeden Vergleich brauchen.

Wie kündige ich richtig und wie lange dauert der Wechsel?

In der Regel kündigt der neue Anbieter für Sie. Die Kündigungsfrist darf seit März 2022 höchstens einen Monat betragen. Bei einer angekündigten Preiserhöhung können Sie bis zu deren Inkrafttreten außerordentlich kündigen. Der Wechsel selbst soll höchstens drei Wochen dauern.

So gehen Sie vor, vom Einfachen zum Genauen:

  1. Unterlagen holen: Zählernummer, Jahresverbrauch, aktuelle Vertragsdaten aus der Abrechnung.
  2. Fristen prüfen: Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist stehen im Vertrag. Wer vor Ende der Laufzeit wechselt, zahlt sonst doppelt oder kommt nicht raus.
  3. Neuen Tarif wählen, Wunschtermin setzen: Die Quellen raten, den Wechsel drei bis sechs Wochen im Voraus zu planen. Der Anbieterwechsel selbst läuft nach den Angaben der Vergleichsportale in höchstens drei Wochen, sobald der neue Anbieter Sie beim Netzbetreiber angemeldet hat.
  4. Kündigung bestätigen lassen: Den Alt-Anbieter kündigt in der Regel der neue. Selbst kündigen lohnt sich bei Preiserhöhung oder knapper Frist, dann per Einschreiben oder mit Bestätigung in Textform.

Der Strom fließt dabei ohne Unterbrechung weiter, der Netzbetreiber ändert nur die Zuordnung. Bei einer Preiserhöhung muss Sie Ihr Anbieter laut den von mir gesichteten Verbraucherquellen mindestens vier Wochen vorher informieren. Bis die Erhöhung gilt, können Sie ohne Frist kündigen. Der Anbieter muss die Kündigung bestätigen, die genaue Frist dafür geben die Quellen unterschiedlich an, ich nenne sie deshalb hier nicht. Wer ganz sicher gehen will, fragt die Verbraucherzentrale oder liest den Vertrag.

Was ist die Bonus-Falle bei Stromtarifen?

Ein Neukundenbonus macht den ersten Jahrespreis niedrig, aber nicht den zweiten. Vergleichen Sie darum immer die Kosten mit und ohne Bonus, prüfen Sie Auszahlungszeitpunkt und Bedingungen und notieren Sie sich das Ende der Preisgarantie.

Die Falle ist keine Betrugsmasche, sondern Mathematik: Der Anbieter verteilt seinen Rabatt auf das erste Jahr. Wenn der Preis danach höher ist als bei der Konkurrenz, haben Sie nach zwölf Monaten genau das gleiche Problem wie vorher, nur mit anderem Namen. Drei Dinge helfen:

  • Kostenlos: Im Vergleichsportal die Ansicht ohne Boni umstellen und den Preis im zweiten Jahr ansehen.
  • Günstig: Auszahlungsbedingungen lesen (wann fließt der Bonus, was passiert bei vorzeitiger Kündigung). Erst dann abschließen.
  • Im Kalender: Ende der Preisgarantie eintragen, Erinnerung zwei Monate vorher. Wer nach dem Bonus-Jahr sofort wechselt, nutzt den Rabatt, ohne in den Normalpreis zu rutschen. Das ist legal, aber lästig, darum lohnt ein Vermerk statt Gedächtnis.

Das gilt auch für Tarife, die heute besonders günstig wirken. Ein günstiger Arbeitspreis mit hohem Grundpreis rechnet sich bei kleinem Verbrauch nicht, ein niedriger Grundpreis bei hohem Verbrauch meist schon. Das lässt sich im Tarifrechner mit Ihrem Jahresverbrauch prüfen.

Welche Tarifart passt zu meinem Haushalt?

Hier hilft ein Blick auf die Geräte im Haus, nicht auf den Prospekt. Ein Haushalt ohne besondere Verbraucher fährt mit einem Festpreistarif mit Preisgarantie meist ruhiger. Haben Sie E-Auto, Wärmepumpe oder Batteriespeicher, können Spezialtarife oder ein dynamischer Tarif günstiger sein, weil Sie Last verschieben können. Ich selbst nutze einen dynamischen Tarif, weil ich Wallbox und Speicher danach steuere. Für wen sich das lohnt und für wen nicht, steht in Dynamische Stromtarife und vor dem Winter. Wer eine Wärmepumpe hat, sollte außerdem den Wärmepumpentarif vergleichen und prüfen, ob sich ein zweiter Zähler lohnt: Wärmepumpe: zweiter Stromzähler.

Die Anbieter unten sind unsere Werbepartner. Das heißt nicht, dass sie für Sie die beste Wahl sind, sondern dass wir bei einem Abschluss eine Provision erhalten. Vergleichen Sie darum mindestens einen zweiten Weg, etwa ein Vergleichsportal, bevor Sie unterschreiben.

Tarife prüfen (Werbung)

Preis und Verfügbarkeit hängen von Postleitzahl und Verbrauch ab. Ob ein Tarif für Sie günstig ist, zeigt allein der Tarifrechner des Anbieters. Die Reihenfolge ist keine Rangliste.

*Anzeige · Affiliate-Links. Wenn Sie über einen Link abschließen, erhalten wir eine Provision – für Sie ändert sich der Preis nicht. Die Einordnung im Artikel bleibt davon unberührt.

Fazit

Beim Stromwechsel zahlt, wer nichts tut. Die Daten sprechen aus der Grundversorgung klar für einen Wechsel, aus einem laufenden Tarif mit Preisgarantie wartet man besser bis zum Ende der Garantie. Der Ablauf ist einfach: Unterlagen holen, Fristen prüfen, Gesamtkosten mit und ohne Bonus vergleichen, Wunschtermin drei bis sechs Wochen vorher setzen. Ein Sicherheitsversprechen gibt es nicht, die Preise ändern sich täglich. Ein Termin im Kalender schützt Sie aber vor dem Bonus-Jahr, das einfach ausläuft.

Quellen und Stand: Preise (30,48 Cent je kWh günstigster Neukundentarif, rund 40,4 Cent Grundversorgung, Wechselersparnis rund 346 Euro bei 3.500 kWh am 18.10.2026) von StromAuskunft; Bestandskundendurchschnitt August 2026 (31,4 Cent) laut Verivox; Angaben zu Kündigungsfrist, Sonderkündigung, Preiserhöhungsfrist und Wechseldauer aus Verbraucher- und Vergleichsportal-Ratgebern (StromAuskunft, Verbraucherzentralen, t-online), Recherche vom 22.10.2026, im Einzelfall maßgeblich sind Vertrag und Gesetz. Jahreskosten in der Grafik sind eigene Rechenbeispiele. Keine Rechts- oder Finanzberatung.