Heizkosten

Infrarotheizung: über 2.000 Euro Strom für 60 m² im Jahr

Weiße Infrarot-Heizplatte an der Wand eines Wohnzimmers am Winterabend, davor ein Sessel mit Decke

Symbolbild: KI-generiert.

Die Anzeigen versprechen Wärme ohne Heizkessel, ohne Wartung und mit 30 bis 40 Prozent weniger Verbrauch. Die Platte an der Wand kostet ein paar Hundert Euro, der Elektriker ist schnell fertig, und die Gasheizung könnte endlich weg. Dann kommt die erste Stromabrechnung im Winter, und die Zahl darauf ist vierstellig.

Dieser Beitrag rechnet die Heizkosten einer 60-Quadratmeter-Wohnung offen durch: Infrarot gegen Gas gegen Wärmepumpe, mit den Annahmen daneben, damit Sie Ihren eigenen Fall einsetzen können. Er zeigt auch, wo eine Infrarotheizung trotzdem Sinn hat, denn es gibt solche Fälle. Alle Euro-Werte sind Rechenbeispiele und kein Messprotokoll Ihrer Wohnung.

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Warum ist Infrarot nicht effizienter als jede andere Stromheizung?

Eine Infrarotheizung wandelt Strom nahezu vollständig in Wärme um, genau wie ein Heizlüfter. Mehr als eine Kilowattstunde Wärme je Kilowattstunde Strom gibt es nicht. Der Vorteil ist die Strahlungswärme, die sich angenehmer anfühlt, aber den Wärmebedarf des Gebäudes nicht ändert.

Jedes Gerät, das Strom in Wärme verwandelt, schafft aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme. Das gilt für den Heizlüfter, den Ölradiator, die Nachtspeicherheizung und für die Infrarotplatte gleichermaßen. Die Hersteller verweisen darauf, dass Strahlungswärme Wände und Gegenstände direkt erwärmt und die Raumluft dabei etwas kühler bleiben darf. Das stimmt als Komfortaussage: Wer neben einer warmen Fläche sitzt, empfindet 19 Grad Luft oft als angenehmer.

Der Energiebedarf des Raumes ist damit aber nicht verschwunden, er sinkt höchstens etwas. Die Wand verliert Wärme nach außen, das Fenster ebenso, und diese Verluste muss die Heizung nachliefern, gleich in welcher Form. Die Stiftung Warentest hat die Infrarotheizung deshalb als Notlösung ohne Sparpotenzial eingeordnet (test.de), und die Verbraucherzentralen raten, zuerst die Wärmeverluste der Gebäudehülle zu senken.

Der Unterschied zu einem Heizlüfter liegt im Komfort und in der Lautlosigkeit, nicht im Strombedarf. Wie schnell ein 2.000-Watt-Gerät die Kosten hochtreibt, zeigt der Beitrag zum Heizlüfter an der Steckdose.

Was kostet Infrarot im Jahr für 60 Quadratmeter?

Für 60 Quadratmeter Altbau mit 6.000 Kilowattstunden Wärmebedarf kostet Infrarot bei 37,2 Cent je Kilowattstunde rund 2.230 Euro im Jahr. Gas liegt bei etwa 800 Euro, eine Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3 bei etwa 740 Euro. Im Neubau halbieren sich alle Werte.

Die Rechnung braucht nur drei Zahlen: den Wärmebedarf der Wohnung, den Preis der Energie und den Wirkungsgrad der Heizung. Annahmen für das Beispiel: 60 Quadratmeter, im Altbau 100 Kilowattstunden Heizwärme je Quadratmeter und Jahr, im Neubau 50. Haushaltsstrom zu 37,2 Cent je Kilowattstunde (Haushaltsdurchschnitt Anfang 2026 nach co2online), Gas zu 12 Cent bei einem Nutzungsgrad von 90 Prozent, Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3, ebenfalls zum Haushaltsstrompreis.

HeizungAltbau, 6.000 kWh WärmeNeubau, 3.000 kWh Wärme
Infrarot (Strom 1:1)ca. 2.230 €ca. 1.120 €
Gas-Brennwertca. 800 €ca. 400 €
Wärmepumpe (JAZ 3)ca. 740 €ca. 370 €

Eigene Berechnung, Rechenbeispiel mit den genannten Annahmen; ohne Grundpreise, Wartung und Anschaffung.

Heizkosten im Jahr, 60 m² Altbau (Rechenbeispiel) Heizkosten im Jahr, 60 m² Altbau Infrarot 2.230 € Gas 800 € Wärmepumpe 740 € Eigene Berechnung: 37,2 ct/kWh Strom, 12 ct/kWh Gas, JAZ 3.

Eigene Darstellung nach dem Rechenbeispiel oben.

Meine Einordnung: Der Faktor drei bis vier ist die Zahl, die in den Verkaufsprospekten fehlt. Er gilt, solange Strom rund dreimal so viel kostet wie Gas und die Wärmepumpe pro Kilowattstunde Strom drei Kilowattstunden Wärme liefert. Ein besserer Stromtarif verschiebt das nur begrenzt, und einen Wärmepumpentarif gibt es für Infrarot praktisch nie, weil die Heizung nicht gesondert gemessen wird.

Stimmen die 30 bis 40 Prozent Ersparnis?

Selbst wenn die Herstellerangabe von 30 Prozent weniger Wärmebedarf stimmt, kostet Infrarot im Beispiel noch rund 1.560 Euro. Um Gas einzuholen, müsste der Bedarf um etwa 64 Prozent sinken. Zwei Grad weniger Raumtemperatur sparen dagegen nur rund 12 Prozent.

Die Herstellerangabe lässt sich einordnen, ohne sie widerlegen zu müssen. Nehmen wir an, Strahlungswärme erlaubt tatsächlich 30 Prozent weniger Wärmebedarf, etwa durch zwei Grad niedrigere Lufttemperatur. Dann sinken die 6.000 Kilowattstunden auf 4.200 und die Kosten auf rund 1.560 Euro. Gas liegt bei 800 Euro, die Wärmepumpe bei 740 Euro.

Um mit Gas gleichzuziehen, müsste die Infrarotheizung ihren Wärmebedarf um rund 64 Prozent senken, gegenüber der Wärmepumpe um rund zwei Drittel. Das ist mit zwei Grad weniger Lufttemperatur nicht zu erreichen: Die sparen etwa 12 Prozent, nicht zwei Drittel. Der Beitrag Heizkörper bleibt kalt nennt den Wert pro Grad.

Auch die Wärmepumpe muss ehrlich gerechnet werden: Für dieselbe gefühlte Temperatur braucht sie laut einer Untersuchung des Westfälischen Energieinstituts der Hochschule Westfalen-Lippe (PDF von 2016) bis zu 38 Prozent mehr Wärme, weil Infrarot die Raumluft weniger aufheizen muss. Ihr Strombezug liegt trotzdem nur bei etwa einem Drittel des Infrarot-Bezugs. Ein Dokument, das auf einer Infrarot-Anbieterseite liegt, dürfte kaum zugunsten der Wärmepumpe gefärbt sein, und selbst dort bleibt der Abstand groß.

Wann ergibt eine Infrarotheizung trotzdem Sinn?

Sinnvoll ist Infrarot in selten genutzten Räumen, als Punktwärme am Schreibtisch oder im Bad, in sehr gut gedämmten Gebäuden und mit eigenem Solarstrom in den Übergangsmonaten. Als alleinige Heizung für eine ganze Altbauwohnung ist sie meist die teuerste Lösung.

Es gibt Fälle, in denen die Rechnung anders aussieht, weil die Betriebsstunden klein sind. Ein Gästezimmer, das an zehn Tagen im Jahr genutzt wird, braucht keinen Anschluss an eine Zentralheizung, die ihm dauerhaft Wärme liefert. Hier genügt eine Platte, die nur an diesen Tagen läuft, und die Stromkosten bleiben im niedrigen zweistelligen Bereich.

  • Selten genutzte Räume: Hobbykeller, Büro an zwei Tagen, Gästezimmer. Wenige Betriebsstunden schlagen den Wirkungsgrad.
  • Punktwärme: Ein Paneel über dem Schreibtisch oder im Bad wärmt kurz und gezielt, ohne die ganze Wohnung zu beheizen.
  • Sehr gut gedämmte Gebäude: Bei 20 bis 30 Kilowattstunden Bedarf je Quadratmeter bleibt die Stromrechnung kleiner, auch wenn Strom teuer ist.
  • Eigener Solarstrom: Ich betreibe selbst eine 10-kWp-Anlage und weiß, wie wenig sie im Dezember liefert, nur wenige Prozent des Jahresertrags. In den Übergangsmonaten im Herbst und Frühjahr kann Überschussstrom aber Platten antreiben, die sonst Netzstrom zu 37 Cent zögen. Wie sich Solarstrom im Winter verhält, steht im Beitrag zum Balkonkraftwerk im Winter.
  • Mietwohnung ohne funktionierende Heizung: als Notlösung für eine Saison, ohne bauliche Eingriffe.

Für die Wohnung als Ganzes führt die Rechnung dagegen fast immer zu einer anderen Heizung. Wie eine Wärmepumpe auch im Altbau mit normalen Heizkörpern klarkommt, zeigt der Beitrag Wärmepumpe im Altbau ohne Fußbodenheizung.

Was senkt die Heizkosten, bevor ich Geld für eine neue Heizung ausgebe?

Zuerst die kostenlosen Maßnahmen: ein Grad weniger Raumtemperatur spart rund 6 Prozent, abends Rollläden schließen und richtig lüften bringen weitere Prozente. Dann kleine Anschaffungen, zuletzt Dämmung und eine neue Heizung. Die Reihenfolge entscheidet über das Ergebnis.

Die Reihenfolge nach Kosten ist immer dieselbe: erst die Maßnahmen ohne Anschaffung, dann kleine Investitionen, dann die Heizung selbst.

  1. Kostenlos: Raumtemperatur um ein Grad senken (rund 6 Prozent), Türen zu kühleren Räumen geschlossen halten, Rollläden abends schließen, wie es der Beitrag zu den Rollläden abends rechnet, und richtig lüften statt Fenster kippen (Stoßlüften).
  2. Günstig: Heizkörper entlüften, Thermostate prüfen, Steckdosen mit Thermostat oder Zeitschaltuhr für die Platte im Gästezimmer. Ein Strommessgerät zeigt in einer Stunde, was ein Gerät wirklich zieht. Die Heizsaison-Checkliste fasst das zusammen.
  3. Investition: Dämmung von Kellerdecke und Dachboden, dann erst die Frage nach einer neuen Heizung. Ihren eigenen Bedarf rechnet der Heizkosten-Rechner, den Strombedarf einzelner Geräte der Stromkosten-Rechner.

Wer sich trotz allem für Infrarot entscheidet, sollte vorher den Strompreis seines Tarifs mit aktuellen Angeboten vergleichen. Bei einem Mehrverbrauch von 2.000 Kilowattstunden im Jahr macht jeder Cent Unterschied 20 Euro aus. Wie variable Preise helfen können, steht im Beitrag zu dynamischen Stromtarifen, auch wenn sie zu einer Stromheizung nur bedingt passen.

Worauf sollte ich beim Kauf nicht hereinfallen?

Misstrauen ist bei Prozentangaben ohne Bezugsgröße und bei dem Satz „Heizen ohne Heizkosten“ angebracht. Rechnen Sie den Bedarf in Kilowattstunden mal Ihrem Strompreis. Eine teure Platte spart nichts, wenn der Wärmebedarf derselbe bleibt.

Drei Muster tauchen in Anzeigen immer wieder auf. Erstens der Vergleich mit dem Heizlüfter: Natürlich ist die Platte komfortabler, einen geringeren Stromverbrauch hat sie nicht. Zweitens die Rede von „Heizen ohne Heizkosten“: Es fallen die vollen Stromkosten an. Drittens die Prozentangabe ohne Bezugsgröße: „40 Prozent weniger“ gegenüber welcher Heizung, bei welcher Raumtemperatur und in welchem Gebäude, bleibt offen. Fragen Sie nach der Rechnung in Kilowattstunden und multiplizieren Sie mit Ihrem Strompreis. Eine Wohnung mit 6.000 Kilowattstunden Bedarf wird nicht billiger, weil das Gerät Strahlung statt Luft erwärmt.

Auch die Sicherheit gehört dazu: Infrarotplatten werden an der Oberfläche heiß, Vorhänge und Möbel brauchen Abstand, und die Elektrik muss die Dauerlast tragen. Mehrere Platten an einer Leitung können sie überlasten. Eine Elektrofachkraft rechnet das vor der Montage nach.

Fazit

Infrarot ist keine Wunderheizung, sondern eine Stromheizung mit angenehmer Strahlungswärme. Für eine 60-Quadratmeter-Altbauwohnung kostet sie im Rechenbeispiel rund 2.230 Euro im Jahr, Gas etwa 800 Euro und eine Wärmepumpe etwa 740 Euro. Sinnvoll sind Platten dort, wo sie nur wenige Stunden laufen: im Gästezimmer, am Schreibtisch, im Bad oder mit eigenem Solarstrom. Wer die ganze Wohnung beheizen will, rechnet vor dem Kauf mit dem eigenen Bedarf und dem eigenen Strompreis.

Quellen und Stand: November 2026. Strompreis nach unserem Heizlüfter-Beitrag (co2online, Haushaltsdurchschnitt Anfang 2026 etwa 37,2 ct/kWh) · Stiftung Warentest, Infrarotheizung · Westfälisches Energieinstitut, Hochschule Westfalen-Lippe (2016) · Wärmebedarf, Gaspreis und Jahresarbeitszahl sind Rechenannahmen der Redaktion.