Heizkosten

Heizung nachts runterdrehen: Bis zu 180 Euro, aber nicht immer

Dunkles Altbau-Schlafzimmer mit Heizkörper und vereistem Fenster, KI-generiertes Symbolbild

Symbolbild: KI-generiert.

Jeden Herbst beginnt dieselbe Debatte am Thermostat: Nachts runter oder durchheizen? Die einen schwören auf „Wärme lässt sich nicht sparen, die Wände speichern sie“, die anderen drehen abends konsequent zu. Beide Seiten haben ein Stück Wahrheit, und welches Stück für Ihre Wohnung gilt, hängt an drei Dingen: Wie gut das Haus gedämmt ist, womit Sie heizen und wie weit das Zimmer nachts tatsächlich auskühlt.

Ich beantworte so etwas ungern aus dem Bauch. Eine Antwort, die für den zugigen Altbau mit Gasetagenheizung stimmt, ist für die Wärmepumpe im Neubau schlicht falsch, und umgekehrt. Dieser Beitrag rechnet deshalb in Euro, sortiert nach Heizungsart und zeigt zum Schluss einen Test, den Sie in einer einzigen Nacht selbst machen können.

Was bringt die Nachtabsenkung wirklich?

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz beziffert die Einsparung durch eine Nachtabsenkung im Altbau auf etwa 5 bis 10 Prozent der Heizenergie. Bei 1.800 Euro Heizkosten im Jahr sind das 90 bis 180 Euro. Je schlechter das Haus gedämmt ist, desto mehr bringt es.

Die Logik dahinter ist Physik: Je größer der Unterschied zwischen innen und außen, desto schneller geht Wärme durch Wände, Fenster und Dach verloren. Kühlt ein Raum nachts ab, ist dieser Unterschied kleiner, und es entweicht weniger. Wie viel das ausmacht, hängt davon ab, wie schnell Ihr Gebäude Wärme verliert. Ein schlecht gedämmter Altbau verliert viel und gewinnt durch die Absenkung viel. Ein modernes, dichtes Haus kühlt nachts kaum aus, es gibt also auch wenig zu sparen.

Als Rechenbeispiel (eigene Rechnung, keine Messung an Ihrem Haus) setze ich drei typische Jahreskosten für Heizung ein und lege die 5 bis 10 Prozent darüber:

Heizkosten pro Jahr5 Prozent gespart10 Prozent gespart
1.200 Euro (kleine Wohnung)60 Euro120 Euro
1.800 Euro (Wohnung oder kleines Haus)90 Euro180 Euro
2.400 Euro (größeres Haus, Altbau)120 Euro240 Euro
Nachtabsenkung im Altbau, Rechenbeispiel bei 1.800 Euro Heizkosten 5 Prozent gespart 90 Euro im Jahr 10 Prozent gespart 180 Euro im Jahr Eigene Rechnung auf Basis der Spanne 5 bis 10 Prozent (Verbraucherzentrale RLP); Balken proportional zum Betrag.

Eigene Darstellung, Rechenbeispiel.

Ein wichtiger Gegenpol steht in derselben Beratung: Wer die Raumtemperatur dauerhaft um ein Grad senkt, also auch tagsüber, spart nach Angaben der Verbraucherzentrale bis zu 6 Prozent. Die Nachtabsenkung konkurriert also mit der einfachsten aller Maßnahmen, tagsüber ein Grad weniger. Wie weit Sie mit dem Thermostat überhaupt kommen, habe ich im Beitrag Thermostat auf 5 heizt nicht schneller aufgeschrieben.

Für welche Heizung und welches Haus lohnt es sich?

Es lohnt sich bei Kessel und Heizkörpern in schlecht gedämmten Häusern, vor allem wenn das Zimmer nachts um mehr als etwa drei Grad abkühlt. Bei Fußbodenheizung, sehr gut gedämmten Häusern und Wärmepumpen bringt es wenig oder verschlechtert sogar die Bilanz.

Die Fußbodenheizung ist träge: Der Estrich speichert viel Wärme und gibt sie langsam ab, das Wiederaufheizen am Morgen dauert Stunden. Gespart wird dabei kaum etwas, der Komfort leidet dafür deutlich. Bei der Wärmepumpe kommt ein zweiter Effekt dazu, dazu gleich mehr. Hier die Übersicht:

SituationNachtabsenkung sinnvoll?Warum
Gas- oder Ölkessel, Heizkörper, AltbauJa, meist lohnendRaum kühlt nachts stark aus, Heizkörper heizen schnell wieder auf
Gut gedämmtes Haus (Neubau, Vollsanierung)KaumRäume kühlen nachts nur wenig ab, wenig Spielraum
FußbodenheizungSeltenTräge Heizfläche, langes Wiederaufheizen
WärmepumpeMeist nein, höchstens moderatGleichmäßiger Betrieb ist effizienter, morgens höhere Vorlauftemperatur nötig

Wenn Sie nicht wissen, welche Zeile zu Ihrer Wohnung passt: Ein Zimmer, in dem es morgens spürbar kühl ist, gehört zur ersten Zeile. Ein Zimmer, das morgens noch fast so warm ist wie am Abend, zur zweiten. Ob Ihre Heizkörper überhaupt gleichmäßig warm werden, klärt Heizkörper bleibt kalt: Entlüften. Und wer in einer Mietwohnung gegen eine zu kalte Wohnung vorgehen will, findet Messwerte und Fristen in Wohnung zu kalt: Messwerte belegen.

Warum ist die Nachtabsenkung bei der Wärmepumpe oft ein Verlustgeschäft?

Eine Wärmepumpe arbeitet am effizientesten, wenn sie gleichmäßig und mit niedriger Vorlauftemperatur läuft. Das morgendliche Aufheizen verlangt höhere Temperaturen und treibt den Stromverbrauch. Wichtiger ist die Vorlauftemperatur: Die Verbraucherzentrale nennt höchstens 55 Grad, jedes Grad weniger macht die Anlage 2 bis 3 Prozent effizienter.

Das ist der Teil, den die klassische Faustregel „nachts runter“ nicht kennt. Sie stammt aus der Zeit der Kessel, deren Wirkungsgrad kaum davon abhängt, ob sie gleichmäßig oder stoßweise heizen. Eine Wärmepumpe verhält sich anders: Ihre Effizienz hängt stark vom Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und Heizwasser ab. Wer sie nachts zurückfährt und morgens mit hoher Vorlauftemperatur wieder „hochjagt“, holt sich die gesparte Energie schnell zurück. Wer eine Wärmepumpe betreibt oder plant, liest besser Wärmepumpe im Altbau mit Heizkörpern. Die Quelle, auf die ich mich hier stütze, ist die Verbraucherzentrale; Ihr Hersteller kann eine eigene Empfehlung haben, und die gilt vor meiner.

Wie finden Sie in einer Nacht heraus, ob es sich bei Ihnen lohnt?

Heizung an einem kalten Abend herunterregeln, ein Thermometer ins Zimmer stellen und die Temperatur am Morgen ablesen. Fällt sie um mehr als etwa drei Grad, lohnt sich die Absenkung eher. Fällt sie kaum, spart sie wenig.

So gehen Sie vor, vom Einfachen zum Aufwendigen:

  • Kostenlos: Abends die Heizung im Schlafzimmer zudrehen, ein einfaches Thermometer ins Zimmer legen, morgens ablesen. Tun Sie das an einer kalten Nacht, nicht an einer milden, sonst unterschätzen Sie den Abfall. Notieren Sie zusätzlich die Außentemperatur.
  • Günstig: Ein Funk-Thermometer mit Min-Max-Anzeige für wenige Euro zeigt den tiefsten Wert der Nacht, ohne dass Sie um vier Uhr nachsehen müssen.
  • Smart: Smarte Heizkörperthermostate senken zeitgesteuert ab und heizen so rechtzeitig wieder auf, dass es zum Aufstehen warm ist. Wichtig ist die Aufheizzeit: Der Heizplan sollte früh genug starten, sonst frieren Sie morgens und drehen frustriert alles hoch, was den Spareffekt auffrisst.
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Wie stark und wie lange sollten Sie absenken?

Eine einheitliche Zahl für alle Wohnungen gibt es nicht. Als Orientierung taucht in den Ratgebern die Faustregel auf, dass sich die Absenkung erst lohnt, wenn die Raumtemperatur nachts um mehr als drei Grad fällt. Das ist eine Daumenregel, keine gemessene Grenze, und sie stammt aus Ratgebern, nicht aus einer Prüfung. Mein Vorgehen ist einfacher:

  • Schlafzimmer: Absenken ist hier am unproblematischsten, weil man dort ohnehin kühler schläft. Ich würde nicht beliebig tief gehen: Kalte Wände und feuchte Atemluft sind eine Schimmelkombination. Eine feste Untergrenze für jede Wohnung nennt keine Quelle, ich halte 16 Grad im Schlafzimmer für eine vernünftige Untergrenze. Wann Feuchtigkeit zum Problem wird, steht in Fenster beschlagen: Ab wann gefährlich.
  • Wohnzimmer und Bad: Dort lohnt es nur bei langen Leerzeiten. Fürs Bad gilt: Morgens muss es schnell warm werden, das Aufheizen ist der Knackpunkt.
  • Den Vorlauf nicht vergessen: Wer nur das Thermostat bedient, aber die Heizkurve der Anlage unverändert lässt, nutzt das Potenzial nicht aus. Viele Kessel haben eine eingebaute Zeitschaltuhr, die den Betrieb nachts selbst zurückfährt. Wie das bei Ihrer Anlage heißt, steht in der Bedienungsanleitung.

Wer die Zahlen für das eigene Haus durchspielen will, nimmt den Heizkosten-Rechner. Ein Ersparnisversprechen gibt es auch hier nicht: Die 5 bis 10 Prozent sind eine Spanne für den Altbau mit Zentralheizung, und Ihr Ergebnis kann darunter liegen.

Fazit

Nachts absenken lohnt sich am meisten dort, wo die Wohnung nachts spürbar auskühlt und ein Kessel mit Heizkörpern heizt: im Altbau mit 5 bis 10 Prozent, also bei 1.800 Euro Heizkosten bis zu 180 Euro. Bei Wärmepumpe, Fußbodenheizung und gut gedämmten Häusern ist die Antwort meist „durchlaufen lassen, dafür die Vorlauftemperatur niedrig halten“. Machen Sie in dieser Woche die Ein-Nacht-Messung, dann wissen Sie, in welche Zeile Ihre Wohnung gehört.

Quellen und Stand: Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, „20 Prozent weniger Heizenergie“ (Broschüre, 2023: Nachtabsenkung im Altbau 5 bis 10 Prozent; 1 Grad dauerhaft bis zu 6 Prozent); Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zu Wärmepumpen im Altbau (Vorlauftemperatur höchstens 55 Grad, 2 bis 3 Prozent je Grad); Verbraucherzentrale: Heizung optimieren; Faustregel „mehr als drei Grad“ aus Ratgebern (u. a. Verivox, Gelbe Seiten), nicht aus einer Prüfung. Die Euro-Beträge sind eigene Rechenbeispiele. Recherchestand: 2. November 2026; die Quellen wurden über Suchauszüge gesichtet, die Broschüre nicht vollständig gelesen.