Wäsche im Winter trocknen: Was eine Ladung wirklich kostet
Symbolbild: KI-generiert.
Ab November hängt in vielen Wohnungen die Wäsche im Wohnzimmer. Der Balkon ist nass, der Keller kalt, und der Trockner frisst Strom, so heißt es zumindest. Was davon stimmt, ist schnell nachgerechnet. Und die Rechnung hat eine Überraschung: Der günstigste Weg ist selten der mit dem kleinsten Stromzähler-Ausschlag.
Ich lasse im eigenen Haus seit Jahren Funk-Sensoren die Luftfeuchte aufzeichnen, auch an Tagen, an denen Wäsche trocknet. Gerade deshalb halte ich die Frage „Trockner oder Ständer“ für falsch gestellt. Die bessere Frage lautet: Wohin geht das Wasser? Dieser Beitrag rechnet beide Wege mit offenen Annahmen durch und zeigt, ab wann der Ständer teuer wird.
Was kostet eine Ladung Wäsche im Winter?
Bei 35 Cent je kWh zahlen Sie für eine 8-kg-Ladung im Wärmepumpentrockner rund 0,50 bis 0,70 Euro, im Kondenstrockner rund 1,25 bis 1,75 Euro. Der Wäscheständer kostet keinen Strom, verlagert die Arbeit aber auf Heizung und Lüftung.
Die Größenordnungen stammen aus dem Energielabel, auf dem Hersteller den Verbrauch für das Normprogramm angeben: Wärmepumpentrockner kommen typisch auf etwa 1,5 bis 2 kWh je 8-kg-Ladung, Kondensationstrockner auf etwa 3,5 bis 5 kWh. Den Wert Ihres Geräts finden Sie auf dem Label oder in der Anleitung. Der Strompreis von 35 Cent ist ein Rechenbeispiel zwischen dem günstigsten Neukundentarif und der Grundversorgung im Oktober 2026, mit Ihrem Tarif verschiebt sich das Ergebnis proportional. Wie sich der Tarif auswirkt, steht in Stromanbieter wechseln im Herbst.
Eigene Darstellung, Rechenbeispiel.
Auf ein Jahr gerechnet: Wer 100 Ladungen im Trockner trocknet, zahlt im Wärmepumpentrockner grob 50 bis 70 Euro, im Kondenstrockner grob 125 bis 175 Euro. Das ist der Unterschied zwischen „tut kaum weh“ und „da lohnt ein Blick aufs Gerät“. Passende Geräte aus unserem Bestand finden Sie in den Kurzchecks zum Miele TWH780WP und zum Beko B5T68219.
Wo bleiben die 2 bis 3 Liter Wasser?
Eine geschleuderte Ladung von etwa 5 Kilogramm enthält grob 2 bis 3 Liter Wasser. Trocknet sie im Raum, geht das Wasser als Dampf in die Luft, und das Verdunsten kostet Wärme: rund 0,6 kWh je Liter, also etwa 1,3 bis 1,9 kWh je Ladung.
Das ist Physik, kein Marketing: Die Verdampfungswärme von Wasser liegt bei etwa 0,63 kWh je Liter. Beim Ständer liefert diese Wärme Ihre Heizung oder die Raumluft. Bei einer Gasheizung mit rund 12 Cent je kWh sind das etwa 16 bis 23 Cent je Ladung, bei Heizstrom entsprechend mehr. Der Ständer ist also nicht kostenlos, aber meist am günstigsten, sofern das Wasser den Raum auch wieder verlässt. Genau daran hängt alles Weitere.
Die 2 bis 3 Liter sind ein Richtwert: Er hängt von der Schleuderdrehzahl, der Textilart und der Beladung ab. Wer die Maschine auf höchster Drehzahl schleudern lässt, spart beim Trocknen Zeit und Energie, weil weniger Wasser an der Wäsche hängt.
Ab wann wird der Wäscheständer zum Schimmelproblem?
Als Faustregel nennt das Umweltbundesamt eine relative Luftfeuchte, die dauerhaft unter 60 Prozent bleiben sollte. Steigt sie über Tage darüber, etwa weil Wäsche in einem kleinen, geschlossenen Raum trocknet, steigt das Risiko für Schimmel an kalten Außenwänden.
Erst die Entwarnung: Eine Ladung Wäsche im Wohnzimmer macht noch keinen Schimmel. Kritisch wird die Kombination aus mehreren Ladungen pro Woche, geschlossenen Türen, wenig Lüften und kalten Wänden. Dann entsteht Kondenswasser an der kältesten Stelle, und genau dort wächst Schimmel zuerst. Wie das Beschlagen der Scheiben zu deuten ist, habe ich im Ratgeber Fenster beschlagen im Herbst aufgeschlüsselt.
So sichern Sie sich ab, vom Einfachen zum Aufwendigen:
- Kostenlos: Stoßlüften, 5 bis 10 Minuten mit weit geöffnetem Fenster, mehrmals am Tag. Die Wäsche in dem Raum trocknen, der geheizt ist, und die Tür zu den kühlen Räumen schließen.
- Günstig: Ein Hygrometer oder ein Funk-Sensor, der die Luftfeuchte anzeigt. Mit einem vernetzten Sensor lässt sich eine Push-Meldung einrichten, sobald die Feuchte über einen festgelegten Wert steigt. Das ist eine der einfachsten Smart-Home-Automationen, und sie verhindert genau den Fall, in dem der Ständer teuer wird.
- Mit Gerät: Ein Luftentfeuchter oder, wenn ohnehin ein Neukauf ansteht, ein Wärmepumpentrockner.
Lohnt sich ein Luftentfeuchter statt Trockner?
Er lohnt sich vor allem, wenn gar kein Trockner vorhanden ist und der Raum feucht bleibt. Grob 1 bis 2,5 kWh pro Ladung, also etwa 35 bis 90 Cent, sind ein sinnvoller Erwartungswert, in kalten Räumen aber mit Vorsicht zu genießen.
Diese Spanne ist eine Schätzung, keine Messung: Kompressor-Entfeuchter ziehen typisch einige hundert Watt und arbeiten bei niedrigen Temperaturen deutlich schlechter. Im ungeheizten Keller bringt ein solches Gerät oft wenig, im geheizten Wohnraum dagegen viel. Ein Beispielgerät aus unserem Bestand ist der Pro Breeze 30 l. Den Zusammenhang zwischen Heizungsluft und Feuchtigkeit erkläre ich auch im Ratgeber Trockene Heizungsluft: Wer im Winter die Luft ohnehin zu trocken hat, kann die Wäschefeuchte sogar ein Stück weit gebrauchen.
Der Unterschied zum Trockner liegt im Preis der Anschaffung, nicht im Betrieb: Ein Entfeuchter kann mehrere Zwecke erfüllen, ein Trockner spart Zeit und Platz. Wer 100 Ladungen im Jahr trocknet, kann den Mehrpreis eines Wärmepumpentrockners über die Jahre gegenrechnen, im Stromkosten-Rechner geht das mit Ihrem Tarif. Wer nachts waschen will, um günstigen Strom zu nutzen, findet die Risiken in Waschen um 3 Uhr nachts.
Welche Lösung passt zu meinem Haushalt?
| Situation | Sinnvoll | Warum |
|---|---|---|
| 1 bis 2 Ladungen pro Woche | Ständer im geheizten Raum | Wenig Wasser, Lüften genügt, kein Anschaffungspreis |
| 4 und mehr Ladungen pro Woche | Wärmepumpentrockner oder Entfeuchter | Viel Wasser, Luftfeuchte steigt schnell |
| Altbau mit kalten Außenwänden | Trockner, Ständer nur mit Hygrometer | Kondenswasser an kalten Wänden ist das Risiko |
| Kondenstrockner im Einsatz | Austausch prüfen | Etwa doppelt bis dreimal so hohe Stromkosten je Ladung |
Drei Handgriffe senken die Feuchte unabhängig vom Gerät. Erstens: höchste Schleuderdrehzahl wählen, die die Textilien vertragen. Zweitens: die Wäsche locker aufhängen, statt Teile zu stapeln, damit die Luft zirkuliert und der Ständer nicht doppelt so lange belegt ist. Drittens: den Ständer nicht ins Schlafzimmer stellen, weil dort nachts ohnehin Feuchte aus der Atemluft dazukommt und die Fenster oft geschlossen bleiben. Wer abends wäscht, hängt am besten im Wohnraum auf und lüftet vor dem Schlafengehen noch einmal kräftig quer.
Ein Sicherheitsversprechen gibt es nicht: Wie feucht Ihre Wohnung wird, hängt von Dämmung, Lüftungsverhalten und Raumgröße ab. Der Sensor misst es, wo ein Richtwert nur schätzen kann. Die Empfehlungen oben folgen der Eignung, nicht einem Rabatt.
Fazit
Der Wäscheständer ist im Winter meist die günstigste Lösung, solange das Wasser den Raum auch verlässt. Ein Wärmepumpentrockner kostet je Ladung rund 60 Cent und spart Platz, ein Kondenstrockner bis zu dreimal so viel. Schimmel droht nicht durch die Wäsche allein, sondern durch zu wenig Lüften bei kalten Wänden. Wer ein Hygrometer aufstellt, weiß es, bevor es sichtbar wird, und das kostet weniger als eine einzige Woche mit zusätzlichen Kondenstrockner-Ladungen.
Quellen und Stand: Verbrauchsgrößen nach dem Energielabel-Schema für Wäschetrockner (Normprogramm Baumwolle, 8 kg) und Herstellerangaben der genannten Geräteart; Verdampfungswärme von Wasser (rund 0,63 kWh je Liter) als physikalische Konstante; Faustregel zur Raumfeuchte (dauerhaft unter 60 Prozent relative Luftfeuchte) nach Empfehlungen des Umweltbundesamts zur Schimmelvermeidung; Strompreis 35 Cent je kWh als Rechenbeispiel zwischen den Werten von StromAuskunft vom 18.10.2026; Gaspreis 12 Cent je kWh und die Entfeuchter-Spanne sind eigene Schätzungen. Alle Kosten sind Rechenbeispiele, keine Messwerte. Stand 23.10.2026.