Ratgeber

Smart Home spart Strom – bei wem es nichts bringt

Smarter Heizkörperthermostat unter einem gekippten Fenster, daneben eine smarte Steckdose im Flur

Symbolbild: KI-generiert (EU AI Act Art. 50).

Am 2. Oktober hat der Digitalverband Bitkom eine Umfrage veröffentlicht, die sich gut anhört: Smart Home senkt den Energieverbrauch. Stimmt, bei vielen. Nur steckt in derselben Zahl auch ein Teil, über den kaum jemand spricht: Bei einem erheblichen Teil der Smart-Home-Haushalte sinkt der Verbrauch laut eigener Angabe nicht. Wer jetzt zur Heizsaison Thermostate und Steckdosen kauft, sollte vorher wissen, auf welcher Seite er steht.

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Was sagt die Bitkom-Zahl wirklich?

Kurz: 58 % der befragten Smart-Home-Nutzer berichten von gesunkenem Strom- und Energieverbrauch, 43 % von spürbar sinkenden Energiekosten. Das sind Angaben aus einer telefonischen Umfrage, keine Zählerwerte. Die Studie nennt nicht, warum der Verbrauch bei den übrigen nicht gesunken ist.

Bitkom Research hat nach eigenen Angaben 1.159 Personen ab 16 Jahren befragt, darunter 597 Smart-Home-Nutzer, in den Kalenderwochen 23 bis 28 dieses Jahres. Als Beispiele nennt der Verband Thermostate, die bei offenem Fenster herunterregeln, Licht, das bei Abwesenheit ausgeht, und Steckdosen, die den Stand-by-Verbrauch verhindern. Ein Ergebnis ist damit belegt: Die Technik kann sparen. Ein zweites sieht man erst auf den zweiten Blick. Zwischen „Verbrauch gesunken“ (58 %) und „Kosten spürbar gesunken“ (43 %) liegen 15 Prozentpunkte. Wer weniger Strom nutzt, merkt es nicht immer auf der Rechnung, vor allem wenn gleichzeitig die Preise steigen.

Bitkom-Umfrage unter Smart-Home-Nutzern (Selbstauskunft) 58 % berichten von gesunkenem Verbrauch 43 % berichten von spürbar sinkenden Kosten Quelle: Bitkom Research, veröffentlicht am 2. Oktober 2026. Balkenlänge maßstäblich (100 % = 700 Pixel).

Quelle: Bitkom-Presseinformation vom 2. Oktober 2026.

Bei wem bringt Smart Home keine Ersparnis?

Kurz: Bei allen, die nichts haben, was die Technik abschalten oder absenken könnte. Dazu gehören sparsame Haushalte, Räume ohne regelbare Heizung und Systeme, die selbst dauerhaft Strom ziehen. Der Grund sind dann meist die Umstände, nicht ein schlechtes Produkt.

Die Studie nennt keine Gründe. Aus der Funktionsweise lassen sich aber vier Konstellationen ableiten, in denen eine Ersparnis unwahrscheinlich ist. Prüfen Sie, ob Sie in einer davon stecken, bevor Sie kaufen:

  • Sie heizen schon bewusst. Wer Türen schließt, nachts absenkt und Räume nicht überheizt, hat den größten Hebel schon genutzt. Ein Thermostat automatisiert dann Gewohnheiten, die es bereits gibt. Es bringt Komfort, aber wenig Geld.
  • Ihre Heizung lässt sich am Heizkörper nicht sinnvoll regeln. Bei Fußbodenheizung und träge reagierenden Anlagen ist ein Heizkörperthermostat das falsche Werkzeug. Auch ein nicht abgeglichenes System verbraucht mehr, als jede App herausholt. Mehr dazu im Ratgeber zum hydraulischen Abgleich.
  • Der Stand-by-Verbraucher ist gar keiner. Eine smarte Steckdose hinter einem Gerät mit 0,5 Watt Standby spart weniger, als sie selbst verbraucht. Ob es sich lohnt, entscheidet allein der Verbrauch des Geräts dahinter.
  • Die Technik verbraucht, was sie spart. Zentrale, Router-Erweiterung, Kameras und Steckdosen laufen rund um die Uhr. Jedes Gerät ist klein, die Summe ist es nicht immer.

Das ist keine Warnung vor der Technik, sondern eine Entwarnung für Ihr Geld: Wenn Sie in einer dieser Konstellationen stecken, ist Nichtkaufen die wirtschaftlichste Entscheidung.

Wo setze ich zuerst an?

Kurz: Erst messen, dann ohne Technik absenken, dann gezielt automatisieren. Die Reihenfolge entscheidet. Die größten Stellschrauben im Winter sind Raumtemperatur und Heizzeiten, nicht die Beleuchtung.

  1. Kostenlos: Raumtemperatur in wenig genutzten Räumen absenken, Türen zwischen warmen und kühlen Räumen schließen, stoßlüften statt Fenster zu kippen. Dafür brauchen Sie keine Technik.
  2. Günstig: Eine Messsteckdose an die Verdächtigen stecken: Fernseher-Ecke, Büro, Heimkino. Erst messen, dann entscheiden, ob eine Abschaltung lohnt. Wie sich Gerätekosten hochrechnen lassen, zeigt der Stromkosten-Rechner.
  3. Produkt: Smarte Thermostate in den Räumen, die Sie tatsächlich unterschiedlich nutzen. Einen Überblick mit Vergleich bietet der Test der smarten Thermostate, ein Einzeltest ist der Tado Smart Thermostat X.

Wie groß der Hebel bei der Heizung sein kann, beziffert ein Ratgeber von HouseControllers. Danach liegt das Einsparpotenzial smarter Heizungssteuerung je nach Studie bei 14 bis 26 % der Heizkosten. Für 70 Quadratmeter sind das etwa 165 bis 305 Euro im Jahr, für ein Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern 285 bis 530 Euro. Das ist eine Spanne, keine Zusage, und sie gilt für Haushalte, die vorher konstant geheizt haben. Die Details stehen im HouseControllers-Ratgeber.

Wie viel spart eine smarte Steckdose?

Kurz: Bei 5 Watt Standby rund 16 Euro im Jahr, bei 1 Watt unter 4 Euro. Abzüglich ihres eigenen Verbrauchs bleibt bei kleinen Verbrauchern fast nichts. Lohnend sind Geräte ab etwa 3 bis 5 Watt Dauerverbrauch.

Hier ein Rechenbeispiel, kein Messwert: Eine Steckdose, die einen Verbraucher mit 5 Watt Standby ganzjährig vom Netz nimmt, spart 5 W × 8.760 h = 43,8 kWh. Bei 37 Cent je Kilowattstunde sind das 16,20 Euro. Verbraucht die Steckdose selbst etwa ein Watt (angenommene Größenordnung, prüfen Sie das Datenblatt), sind es 8,76 kWh oder 3,24 Euro. Netto bleiben knapp 13 Euro im Jahr. Die Steckdose rechnet sich also nur beim richtigen Verbraucher, und dann nach ein bis zwei Jahren.

Standby-Verbrauch des Geräts (angenommen)5 W
Jahresverbrauch (5 W × 8.760 h)43,8 kWh
Kosten bei 37 ct/kWh16,20 €
abzüglich Eigenverbrauch der Steckdose (angenommen 1 W)3,24 €
Ersparnis pro Jahr, rechnerischca. 12,96 €

Rechenbeispiel mit angenommenen Werten. Der Strompreis von rund 37 Cent je kWh ist ein Marktwert aus aktuellen Ratgebern; Ihr Tarif kann abweichen.

Wie prüfe ich, ob es bei mir wirkt?

Kurz: Notieren Sie Zählerstand und Heizverbrauch vor dem Einbau mehrere Wochen lang und vergleichen Sie danach einen Zeitraum mit ähnlichem Wetter. Ohne diesen Vergleich bleibt die Ersparnis ein Gefühl.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen Bitkoms 58 % und einer belegten Ersparnis. Wer in Smart Home investiert hat, nimmt den Erfolg gern wahr. Ich nutze zu Hause Shelly-Schalter, eine Wallbox von easee, Tibber und eine PV-Anlage mit Deye-Wechselrichter und gehe deshalb bei jedem neuen Gerät gleich vor: erst die Verbraucher sichtbar machen, dann entscheiden. Wer zuerst kauft und dann hofft, landet leicht bei den Haushalten, bei denen der Verbrauch nicht sinkt. Wer Verbräuche messen will, findet mit dem Shelly 1PM im Vierer-Pack einen Anhaltspunkt.

  1. Vorher messen: Zählerstand wöchentlich notieren, bei Heizkostenverteilern den Wert ablesen.
  2. Eine Sache ändern: Nicht gleichzeitig Thermostate, Steckdosen und Heizkurve anfassen, sonst wissen Sie hinterher nicht, was gewirkt hat.
  3. Gleiches Wetter vergleichen: Ein milder Oktober und ein kalter Dezember sind keine Vergleichsbasis. Nutzen Sie, falls verfügbar, die Gradtagszahlen Ihres Wetterdienstes.
  4. Eigenverbrauch der Technik einrechnen: Zentrale, Netzteile und Steckdosen gehören auf die Rechnung.

Zur Vorbereitung auf die Heizsaison gehört auch die Winterzeit am 25. Oktober. Wie sich Smart-Home-Zeitpläne dann verhalten, steht im Ratgeber Zeitumstellung und Smart Home. Wer einen dynamischen Tarif nutzt, findet Grundlagen unter Dynamische Stromtarife.

Wie teuer wird Ihre Heizsaison?

Wohnfläche und Heizart eintragen, der Rechner zeigt Ihnen die Heizkosten.

Heizkosten berechnen →

Häufige Fragen

Spart Smart Home wirklich Energie?

Oft ja, aber nicht automatisch. Laut Bitkom-Umfrage vom 2. Oktober 2026 berichten 58 % der Smart-Home-Haushalte von gesunkenem Strom- und Energieverbrauch, 43 % von spürbar sinkenden Kosten. Das sind Selbstauskünfte, keine Messungen. Der Effekt hängt davon ab, ob die Technik etwas abschaltet oder herunterregelt, das vorher unnötig lief.

Bei wem bringt Smart Home keine Ersparnis?

Bei Haushalten, in denen es nichts zu optimieren gibt: wer ohnehin kaum heizt, keine Dauerverbraucher im Standby hat oder Geräte nutzt, die selbst Strom ziehen, ohne etwas abzuschalten. Auch eine Zentrale, die rund um die Uhr läuft, kann den Gewinn aufzehren.

Wie viel spart eine smarte Steckdose?

Das hängt vom Standby-Verbrauch des Geräts dahinter. Rechenbeispiel: 5 Watt Standby über 8.760 Stunden sind 43,8 kWh, bei 37 Cent je kWh gut 16 Euro im Jahr, abzüglich des Eigenverbrauchs der Steckdose. Ein Gerät mit 0,5 Watt Standby lohnt keine Steckdose.

Wie finde ich heraus, ob meine Technik etwas bringt?

Zählerstand oder Heizkostenverteiler vor dem Einbau über mehrere Wochen notieren, die Technik einbauen, danach einen Zeitraum mit ähnlicher Witterung vergleichen. Ohne diesen Vergleich bleibt die Ersparnis ein Gefühl.

Fazit: Erst messen, dann kaufen

Smart Home kann Energie sparen, die Bitkom-Umfrage stützt das für knapp sechs von zehn Haushalten. Warum es bei den übrigen nicht sank, sagt die Studie nicht. Plausibel sind ein fehlender Hebel oder eine fehlende Messung. Prüfen Sie, ob Sie Räume überheizen oder Dauerverbraucher haben, und beginnen Sie dort. Wenn nicht, sparen Sie sich das Geld für die Technik und behalten Sie Ihre Gewohnheiten.