Erfahrungsbericht

Ich lade mein Model Y seit einem Jahr fast nur mit eigenem Solarstrom

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Einfamilienhaus mit Photovoltaik-Anlage auf dem Dach – Sinnbild für Solarstrom, der ins eigene Auto fließt

Symbolbild: Aufdach-Solaranlage auf einem Einfamilienhaus (nicht mein eigenes Haus).

Als meine 10-kWp-Anlage vor gut zwei Jahren ans Netz ging, war der Eigenverbrauch ernüchternd: Mittags produziert das Dach mehr, als Kühlschrank und Waschmaschine je verbrauchen können, der Rest ging für ein paar Cent ins Netz. Seit gut einem Jahr hängt mein Model Y an einer eigenen Wallbox – und der Unterschied ist deutlich spürbar. Hier ist die ehrliche Zwischenbilanz, mit echten Zahlen statt Werbeversprechen.

Die Ausgangslage: Solarstrom ohne Abnehmer ist verschenktes Geld

Ein Einfamilienhaus verbraucht tagsüber, wenn die Sonne am stärksten scheint, meist am wenigsten Strom – die Bewohner sind ja unterwegs. Genau in dieser Zeit produziert die PV-Anlage aber ihr Maximum. Ohne einen großen Verbraucher, der diesen Überschuss abnehmen kann, bleibt einer Anlage ohne Speicher laut Fachportalen eine Eigenverbrauchsquote von grob 30 % – der Rest wandert für die aktuelle Einspeisevergütung ins Netz. Bei mir war das genau das Muster: PV-Ertrag hoch, Eigenverbrauch mau, Einspeisung hoch. Wirtschaftlich ist das kein Drama, aber auch keine besonders clevere Nutzung der eigenen Investition.

Die Technik dahinter: Tibber Pulse, Shelly und die easee-Wallbox

Mein Setup ist keine Sonderlösung, sondern eine mittlerweile ziemlich verbreitete Kombination: eine easee-Wallbox, ein Tibber-Vertrag mit dynamischem Tarif und ein Smart Meter, das der Tibber-App den aktuellen PV-Überschuss in Echtzeit meldet – bei mir ein Shelly-3EM-Zähler direkt am Wechselrichter. Sobald man „Solar Smart Charging" in der Tibber-App aktiviert, funktioniert das Prinzip erstaunlich unaufgeregt: Die App misst laufend, wie viel Leistung das Dach gerade übrig hat, und regelt die Ladeleistung an der Wallbox in Echtzeit nach. Produziert das Dach 6 kW Überschuss, lädt das Auto mit 6 kW; zieht eine Wolke durch und der Überschuss sinkt auf 2 kW, drosselt die Wallbox automatisch mit. Alternativ lässt sich dieselbe Kombination auch so einstellen, dass sie ausschließlich in den günstigsten Börsenstrom-Stunden der Nacht lädt – praktisch für Tage, an denen die Sonne einfach nicht mitspielt.

Wichtig zu wissen: Solar Smart Charging über Tibber setzt einen aktiven Tibber-Stromliefervertrag voraus, dazu einen internetfähigen Wechselrichter oder einen separaten Smart Meter. Ohne diese Live-Daten weiß die App schlicht nicht, wie viel Überschuss gerade da ist – und kann folglich auch nichts nachregeln.

Was der Umstieg tatsächlich gebracht hat

Ganz ohne E-Auto pendelt die Eigenverbrauchsquote einer Solaranlage laut mehreren Fachquellen bei rund 30 %. Mit einem E-Auto am Überschussladen steigt sie auf etwa 55 bis 65 %, mit zusätzlichem Heimspeicher sogar auf bis zu 85 %. Bei mir ist der Sprung von „ohne E-Auto" zu „mit Überschussladen" an sonnigen Sommertagen klar zu erkennen – im Winter, mit kurzen Tagen und flachem Sonnenstand, ist der Effekt naturgemäß kleiner, aber nie null, weil ein Teil weiterhin über die günstigen Nachtstunden im dynamischen Tarif läuft.

Eigenverbrauchsquote je nach Setup (Branchenzahlen) Nur PV PV + E-Auto (Überschuss) PV + E-Auto + Speicher ca. 30 % ca. 55–65 % bis zu 85 %

Die ehrliche Kostenrechnung

Der eigentliche Hebel ist der Preisunterschied. Fachportale beziffern die reinen Erzeugungskosten von Solarstrom auf grob 5 bis 8 Cent je Kilowattstunde – ohne Netzentgelte, ohne Abgaben, ohne Marge eines Versorgers. Wer dieselbe Kilowattstunde stattdessen an einer öffentlichen Ladesäule oder zum Haushaltstarif zieht, zahlt eher 30 bis 34 Cent. Bei einer typischen Jahresfahrleistung mit rund 15.000 km summiert sich der Unterschied laut Branchenrechnungen auf 700 bis 1.000 € pro Jahr, wenn ein Großteil zu Hause per Überschuss geladen wird. Meine eigene Fahrleistung liegt in einer ähnlichen Größenordnung – exakt auf den Euro will ich das aber nicht behaupten, weil ich (bewusst) keinen separaten Ladezähler nur fürs Auto mitlaufen lasse. Ehrlicher als eine erfundene Kommastelle ist: Die Differenz ist im Alltag klar spürbar, in der Jahresabrechnung der PV-Anlage sichtbar – aber ich kenne meinen exakten Cent-Betrag nicht auswendig.

Ladestrom aus eigener PV (Überschuss)ca. 5 – 8 Cent/kWh
Laden zum Haushaltstarif / öffentliche Säuleca. 30 – 34 Cent/kWh
Einspeisevergütung seit Februar 2026 (≤10 kWp)7,79 Cent/kWh
Typische Jahresersparnis bei ca. 15.000 kmca. 700 – 1.000 €

Genau die letzte Zeile der Tabelle ist der Punkt, der die Entscheidung 2026 noch klarer macht als vor zwei Jahren: Seit Februar 2026 gibt es für Teileinspeisung bei Anlagen bis 10 kWp nur noch 7,79 Cent pro Kilowattstunde vom Netzbetreiber. Jede Kilowattstunde, die ich stattdessen selbst verfahre, ersetzt also nicht nur einen mickrigen Einspeise-Erlös, sondern einen um ein Vielfaches höheren Ladepreis. Der Abstand zwischen „billig einspeisen" und „selbst nutzen" ist größer geworden, nicht kleiner – ein Argument, das bei sinkenden Vergütungssätzen tendenziell noch wichtiger wird.

Was ich unterschätzt habe

  • Ohne Smart Meter geht nichts Automatisches. Der Shelly-3EM-Zähler war kein optionales Extra, sondern die Voraussetzung dafür, dass die App überhaupt weiß, wie viel Überschuss gerade da ist. Ohne ihn hätte ich manuell die Ladeleistung nachregeln müssen – das macht auf Dauer keiner freiwillig.
  • Wolken bremsen spürbarer als gedacht. Die Ladeleistung schwankt bei wechselhaftem Wetter im Minutentakt mit – das Auto lädt dann eben mal langsamer, mal schneller. Wer am nächsten Morgen unbedingt volle Reichweite braucht, sollte für solche Tage eine Mindestladeleistung oder einen Zeitpuffer einplanen, statt sich blind auf reines Überschussladen zu verlassen.
  • Winter ist kein Totalausfall, aber deutlich schwächer. Der Effekt ist im Sommer am größten – logisch bei einer Solaranlage – aber auch in der dunkleren Jahreszeit lädt das Auto dank des dynamischen Tarifs in den günstigen Nachtstunden spürbar billiger als zum Standardtarif.
  • Der Komfort ist der heimliche zweite Gewinn. Neben dem Geld ist der eigentliche Alltagsvorteil, morgens nie wieder eine Ladesäule suchen zu müssen. Das würde ich rückblickend fast höher gewichten als die reine Kostenersparnis.

Für wen sich das lohnt

Überschussladen wird ab etwa 5 kWp Anlagengröße für regelmäßiges Laden interessant, richtig rund läuft es laut Fachportalen ab 8 bis 10 kWp – meine 10 kWp liegen also im für diesen Zweck sinnvollen Bereich. Technisch braucht es zwingend eine überschussfähige Wallbox plus einen Energiezähler oder ein Energiemanagementsystem; ohne diese Live-Daten kann keine Steuerung automatisch nachregeln. Alles rund um die Wallbox-Auswahl, Anmeldepflicht beim Netzbetreiber und Kosten habe ich in unserem Wallbox-Ratgeber 2026 ausführlich zusammengefasst. Wer noch ganz am Anfang steht und erst über eine eigene Dachanlage nachdenkt, findet die Grundlagen im Photovoltaik-Ratgeber, und wie der dynamische Tarif selbst funktioniert, steht im Beitrag zu dynamischen Stromtarifen. Wer zusätzlich über einen Heimspeicher nachdenkt, um die Eigenverbrauchsquote weiter Richtung 85 % zu schieben, findet die Rechnung dazu im Ratgeber Stromspeicher: Ab wann lohnt er sich?. Wer selbst rechnen will, statt meinen Erfahrungswerten zu vertrauen: Unser E-Auto-PV-Ersparnis-Rechner gibt in einer Minute eine grobe Hausnummer für die eigene Anlage und Fahrleistung aus.

Wie viel würden Sie mit Solarstrom am eigenen Auto sparen?

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Häufige Fragen

Wie viel Prozent meines Solarstroms lädt jetzt ins Auto?

Ohne E-Auto liegt die Eigenverbrauchsquote einer PV-Anlage laut Branchenzahlen bei rund 30 %. Mit E-Auto am Überschussladen steigt sie auf ca. 55–65 %, mit zusätzlichem Heimspeicher auf bis zu 85 %. Bei mir ist der Unterschied an sonnigen Sommertagen am deutlichsten.

Was kostet eine Kilowattstunde Ladestrom aus eigener PV wirklich?

Grob 5 bis 8 Cent pro kWh reine Erzeugungskosten, gegenüber rund 30 bis 34 Cent an der Steckdose oder öffentlichen Säule. Dieser Abstand ist der eigentliche Grund für Überschussladen.

Brauche ich für Solarladen zwingend Tibber und easee?

Nein, das ist nur meine eigene Kombination. Entscheidend ist eine überschussfähige Wallbox plus ein Energiezähler bzw. Smart Meter, der Erzeugung und Verbrauch in Echtzeit meldet – das geht mit mehreren Marken.

Lohnt sich Eigenverbrauch trotz gesunkener Einspeisevergütung noch mehr?

Ja. Seit Februar 2026 liegt die Einspeisevergütung bei Teileinspeisung (≤10 kWp) nur noch bei 7,79 Cent/kWh. Der Abstand zum Ladepreis, den Eigenverbrauch ersetzt, ist damit größer geworden.

Fazit: kein Wundermittel, aber ein klar sichtbarer Unterschied

Ein Jahr Überschussladen hat aus meiner PV-Anlage kein perfektes System gemacht – Wolken bremsen, der Winter ist schwächer, und ohne Smart Meter läuft nichts automatisch. Aber der Unterschied zwischen „Solarstrom für ein paar Cent verschenken" und „Solarstrom selbst verfahren" ist im Alltag klar spürbar, und mit der gesunkenen Einspeisevergütung wird das Argument nur noch stärker. Wer ohnehin über eine Wallbox nachdenkt und eine Anlage ab rund 8 kWp besitzt, sollte die Überschussfunktion von Anfang an mitplanen statt sie nachträglich nachzurüsten.