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Warum mein Saugroboter nie ins Obergeschoss kommt

Weißer Saugroboter mit ausfahrbaren Reinigungsarmen, Dreame X60 Pro Ultra Complete

Produktfoto: Dreame.

Bei mir stehen drei Saugroboter im Einsatz, zuletzt ein Dreame X60 Pro Ultra Complete und ein Roborock Saros 20 – zwei der teuersten und cleversten Geräte, die man aktuell kaufen kann. Beide erkennen Kabel, weichen Hundekot großräumig aus und wischen selbstständig ihre Mopps aus. Vor der Treppe zum Obergeschoss bleiben beide gleich hilflos stehen wie ein Zehn-Euro-Modell aus dem Baumarkt. Das ist kein Softwareproblem, das sich mit dem nächsten Update lösen ließe – und genau deshalb ist die Ankündigung, um die es in diesem Artikel geht, tatsächlich eine kleine Zäsur.

Warum können Saugroboter keine Treppen steigen?

Weil ihre gesamte Technik auf eine Ebene ausgelegt ist. Absturzsensoren an der Unterseite stoppen den Roboter absichtlich vor jeder Kante, die Räder sind für flachen Bodenkontakt gebaut, und der niedrige Schwerpunkt sorgt für Stabilität auf ebenem Grund – all das verhindert zuverlässig den Sturz, aber genauso zuverlässig den Aufstieg.

Das ist der Punkt, den viele Käufer falsch einschätzen: Es fehlt keine Intelligenz. Mein Roborock erkennt zentimetergenau, wo eine Treppenstufe beginnt, und weicht ihr korrekt aus – das ist exakt dieselbe Sensorik, die einen Sturz verhindert. Das Problem liegt eine Ebene tiefer, bei der Mechanik: Räder mit wenigen Zentimetern Durchmesser, ein Antrieb, der für glatten Boden ausgelegt ist, und ein Gehäuse, das flach genug für unter das Sofa sein muss. Diese drei Eigenschaften machen einen guten Bodenreiniger aus – und schließen das Treppensteigen technisch aus, unabhängig vom Preis des Geräts.

Wer zwei Etagen hat, kennt die gängigen Behelfslösungen: den Roboter tragen, zwei komplette Roboter samt Absaugstation kaufen, oder das Obergeschoss dem Handstaubsauger überlassen. Alle drei funktionieren, keine davon fühlt sich nach der versprochenen Automatisierung an.

Gibt es 2026 schon einen Saugroboter, der Treppen schafft?

Fast. Dreame hat am 27. Mai 2026 auf einem Event bei Paris mit dem Cyber X ein Treppenmodul vorgestellt, das kompatible Saugroboter über Stufen bis 30 Zentimeter Höhe trägt – Marktstart in der zweiten Jahreshälfte 2026, empfohlener Preis rund 1.199 Euro. Roborock zeigte auf der CES 2026 mit dem Saros Rover ein Beinkonzept, aber ohne technische Daten oder Termin.

Wichtig für die Einordnung: Der Cyber X ist kein eigener Saugroboter, sondern ein separates Trägersystem. Der eigentliche Roboter dockt auf einer Plattform an, die sich über vier gummierte Raupenelemente selbstständig die Treppe hoch- und runterbewegt – Dreame nennt das intern Bionic QuadTrack. Laut Hersteller schafft das System gerade, offene und gewendelte Treppen ebenso wie Teppichstufen, dazu Steigungen bis 42 Grad, und braucht rund 27 Sekunden pro Stufe. Das ist gemächlich, aber es läuft ohne Aufsicht – der Roboter fährt selbstständig auf die Plattform, wird transportiert und setzt die Reinigung im Obergeschoss fort.

Der Saros Rover von Roborock ist demgegenüber weiter von der Serienreife entfernt: Auf der CES 2026 zeigte Roborock einen Saugroboter mit zwei ausfahrbaren Beinen, der laut Ankündigung Treppen erklimmen und dabei sogar Sprünge ausführen kann. Herstellerangaben zu Saugkraft, Akkulaufzeit oder maximaler Stufenhöhe fehlen bislang komplett – das war eine Konzeptvorführung, kein Produkt mit Preisschild.

Zwei Wege zum sauberen Obergeschoss – die Rechnung Zweiter Roboter, nur fürs Obergeschoss 200–400 € Sofort verfügbar, eigene Basisstation, kein Warten auf Marktstart. Dreame Cyber X (Modul) ~1.199 € Zusätzlich zu einem vorhandenen, kompatiblen Roboter. Start H2/2026. Ein Roboter für alle Etagen ist die Ausnahme, nicht der Normalfall. Bei zwei Etagen ist der zweite Roboter fast immer die günstigere und schnellere Lösung. Das Modul lohnt erst ab drei Ebenen, engen Treppenhäusern oder bereits vorhandenem Top-Gerät.

Eigene Darstellung. Preise: Herstellerangaben (Dreame) und eigene Marktbeobachtung Stand August 2026, ohne Installation/Zubehör.

Was kostet die Lösung fürs Obergeschoss?

Ein zweiter, einfacher Saugroboter nur für das Obergeschoss liegt real zwischen 200 und 400 Euro. Das Dreame-Treppenmodul soll rund 1.199 Euro kosten – und ersetzt keinen eigenen Roboter, sondern trägt einen vorhandenen kompatiblen Roboter zwischen den Etagen hin und her.

Das ist die Rechnung, die in der bisherigen Berichterstattung zum Cyber X meistens fehlt: Das Modul kauft man zusätzlich zu einem Roboter, nicht anstelle. Wer heute schon einen High-End-Roboter im Erdgeschoss hat und ihn künftig auch oben nutzen will, zahlt also Roboterpreis plus rund 1.199 Euro für das Modul – zusammen oft deutlich über 2.000 Euro. Ein zweiter Basis-Roboter mit eigener Absaugstation ist für einen Bruchteil davon zu haben, wenn er auch nur eine eigene Etage übernimmt statt zwischen zwei Stockwerken zu pendeln.

Der Denkfehler, dem ich selbst zuerst aufgesessen bin: Ein Treppenmodul fühlt sich nach der eleganteren Lösung an, weil es ein einziges Gerät für das ganze Haus verspricht. Rechnerisch ist ein zweiter, unabhängiger Roboter je Etage in den allermeisten Zwei-Familien-Haushalten aber schneller amortisiert, weniger störanfällig – ein mechanisches Trägersystem ist ein zusätzlicher Ausfallpunkt – und sofort lieferbar, während der Cyber X laut Ankündigung erst in der zweiten Jahreshälfte 2026 in den Handel kommt.

Was heute schon hilft – in dieser Reihenfolge

Bis das erste Treppenmodul wirklich im Handel steht und sich in unabhängigen Tests bewährt hat, sind das die Optionen, die ich Nutzern mit zwei Etagen tatsächlich empfehle:

  1. Zweiten, günstigen Roboter fürs Obergeschoss anschaffen. Muss keine 42.000-Pascal-Referenz sein – im Obergeschoss reicht oft ein solides Einstiegsmodell. Orientierung dazu in unserer Saugroboter-Kaufberatung.
  2. Getrennte Karten in der App pflegen. Die meisten Hersteller-Apps unterstützen Multi-Map inzwischen gut, wenn man denselben Roboter etagenweise trägt – umständlich, aber kostenlos, solange nur ein Roboter vorhanden ist.
  3. Treppen-Gitter oder Absperrung erwägen, falls der Roboter im Erdgeschoss regelmäßig an der obersten Stufe hängen bleibt, statt zuverlässig zu stoppen – bei älteren Modellen ohne zuverlässige Absturzsensorik ein reiner Sicherheitsgedanke.
  4. Erst kaufen, wenn unabhängige Tests vorliegen. Ein mechanisches System, das ein komplettes Gerät die Treppe hochträgt, ist mechanisch komplex – Langzeit-Zuverlässigkeit lässt sich vor dem Marktstart nicht seriös beurteilen. Wir prüfen den Cyber X, sobald Testgeräte verfügbar sind.

Wer sich ohnehin für ein neues Gerät im Erdgeschoss interessiert, findet unsere aktuellen Einordnungen in Vom Dreame X40 Ultra zum X60 Pro Ultra Complete und Vom Roborock S8 MaxV Ultra zum Saros 20 – beide Geräte laufen bei mir seit Monaten im Alltag.

Lohnt sich das Warten auf ein Treppenmodul?

Für die meisten Haushalte mit zwei Etagen rechnerisch eher nicht: Ein zweiter günstiger Roboter fürs Obergeschoss kostet deutlich weniger und ist sofort verfügbar. Interessant wird das Modul erst bei drei oder mehr Ebenen, engen Treppenhäusern ohne Platz für einen zweiten Roboter, oder wenn ein einzelner High-End-Roboter ohnehin schon vorhanden ist.

Zur Ehrlichkeit gehört auch die Entwarnung: Für ein normales Einfamilienhaus mit Erd- und Obergeschoss ist das Warten kein verpasster Trend, sondern schlicht die teurere Variante eines Problems, das ein 250-Euro-Roboter genauso löst. Wer dagegen in einem engen Reihenhaus mit steiler, gewendelter Treppe wohnt, wo ein zweiter Roboter samt Absaugstation im Obergeschoss keinen Platz findet, oder wer bereits ein Spitzengerät besitzt und nur die Treppe als letztes Hindernis sieht, sollte den Marktstart im Blick behalten.

Eine Frage bleibt bis zum Test offen, und sie ist keine kleine: Wie zuverlässig hält so ein mechanisches Trägersystem im Alltag durch – über Monate, mit den Unwägbarkeiten echter Treppenhäuser? Genau das ist der Unterschied zwischen einer beeindruckenden Vorführung auf einer Bühne und einem Gerät, das man einem Leser mit gutem Gewissen empfiehlt.

Fazit

Dass ein Hersteller das Treppenproblem überhaupt angeht, ist ein echter Fortschritt – jahrelang hieß die einzige Antwort der Branche schlicht „zweiter Roboter". Der Cyber X ist damit die erste ernstzunehmende Ankündigung in diese Richtung, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für mein eigenes Haus rechnet sich das Modul aktuell trotzdem nicht: Zwei unabhängige Roboter sind billiger, robuster in der Erwartung und stehen nicht erst in einem halben Jahr im Handel. Ich behalte den Marktstart im Blick – vor allem die erste Frage, die ein Prospekt nie beantwortet: Wie oft bleibt das Modul auf der zwölften Stufe stehen?

Quellen und Stand: Dreame Cyber X vorgestellt am 27.05.2026 beim Dreame-Sphere-Event in Chantilly bei Paris, Bionic-QuadTrack-Trägersystem, Stufenhöhe bis 30 cm, Steigung bis 42 Grad, rund 27 Sekunden pro Stufe, empfohlener Verkaufspreis rund 1.199 Euro, Marktstart zweite Jahreshälfte 2026 laut Hersteller: Dreame-Ankündigung und Fachpresse (u. a. iphone-ticker.de, techboys.de, homeandsmart.de, myhomebook.de), Stand 08/2026 · Roborock Saros Rover als Beinkonzept vorgestellt auf der CES 2026, keine technischen Daten oder Markttermin veröffentlicht: Herstellerpräsentation, Fachpresse-Berichterstattung Stand 08/2026 · Preisspanne Einstiegs-Saugroboter 200–400 Euro: eigene Marktbeobachtung Stand 08/2026 · Eigene Geräteerfahrung mit Dreame X60 Pro Ultra Complete und Roborock Saros 20 im laufenden Alltagseinsatz. Technische Angaben zum Cyber X stammen von der Herstellerankündigung vor Marktstart und sind bis zum eigenen Test nicht unabhängig geprüft.