Solar & Energie

Meine PV-Anlage bricht gerade um 40 % ein – das ändere ich jetzt

Einfamilienhaus mit Photovoltaik-Dachanlage im Herbstlicht, Symbolbild für sinkenden Solarertrag

Symbolbild: KI-generiert.

Ende August, und meine App meldet es jeden Nachmittag ein bisschen deutlicher: Meine 10-kWp-Anlage liefert nicht mehr annähernd das, was sie im Juli noch gebracht hat. Kein Defekt, kein verschmutztes Modul – einfach der Kalender. Ich habe mir die Zahlen aus meinem eigenen Ertragsmonitoring angesehen und daraus abgeleitet, was ich an Speicher-, Wallbox- und Wärmepumpen-Steuerung jetzt konkret umstelle, bevor der Winter kommt.

Warum bricht der Ertrag gerade so stark ein?

Wie stark sinkt der PV-Ertrag im Herbst wirklich? Rund 70 Prozent des Jahresertrags einer deutschen PV-Anlage fallen zwischen April und September an. Von Oktober bis März bleiben nur etwa 30 Prozent übrig – kürzere Tage und ein flacherer Sonnenstand wiegen dabei schwerer als vereinzelte Wolkentage.

Das überrascht die meisten, weil man intuitiv an Regentage denkt. Tatsächlich ist der Haupttreiber ein anderer: Die Sonne steht im September deutlich flacher am Himmel als im Juni, und die Tageslänge schrumpft in Norddeutschland zwischen Anfang September und Ende Oktober um mehr als zwei Stunden. Beides zusammen drückt die Einstrahlung auf ein schräg montiertes Dach spürbar – bei mir sind es nach eigener Auswertung binnen sechs Wochen rund 35 bis 40 Prozent weniger Tagesertrag als im Hochsommer, an vergleichbar wolkenfreien Tagen. Ein zweiter, oft übersehener Faktor: Laub. Wer Bäume in der Nähe hat, bekommt jetzt Blätter auf die Module – ein einziges verschattetes Modul in einer String-Verschaltung kann den Ertrag des gesamten Strangs überproportional drücken, nicht nur um den Flächenanteil des Blattes.

Lohnt sich jetzt ein größerer Speicher?

Lohnt sich ein größerer Speicher speziell für den Herbst? Meistens nein. Ein Speicher, der im Sommer täglich voll wird, bleibt im Herbst oft halbleer – er wird dadurch nicht nutzloser, amortisiert sich aber langsamer. Sinnvoller als mehr Kapazität ist meist eine intelligentere Steuerung, die den vorhandenen Speicher gezielter einsetzt.

Ich hatte im ersten Herbst mit eigener PV-Anlage genau diesen Reflex: mehr Speicher muss die Lösung sein. Die Rechnung dahinter überzeugt aber nicht. Ein Speicher ist nach der Faustformel von ca. 1 kWh pro 1.000 kWh Jahresverbrauch dimensioniert – und diese Formel gilt übers ganze Jahr gerechnet. Wer im Herbst nachrüstet, kauft Kapazität, die genau in den vier bis fünf ertragsschwächsten Monaten am wenigsten genutzt wird. Die Amortisation verlängert sich dadurch spürbar, ohne dass der Winterdurchhang wirklich verschwindet – dafür reicht kein Heimspeicher, der ist immer nur ein Tagespuffer, kein Saisonspeicher.

Meine Einschätzung: Speichergröße bleibt eine Jahresrechnung. Ein zusätzlicher Speicher lohnt sich, wenn er auch im Sommer regelmäßig an seine Grenze kommt – nicht, weil der Herbst gerade unbequem ist.

Was ich stattdessen umstelle: Wallbox, Wärmepumpe, Speicher-Boden

Sollte ich Wallbox oder Wärmepumpe im Herbst anders steuern? Ja. Wer im Sommer großzügig aus dem PV-Überschuss lädt oder heizt, sollte im Herbst enger takten: Ladevorgänge und Wärmepumpen-Laufzeiten auf die wenigen Sonnenstunden legen und den Speicher nicht mehr bis auf null entladen lassen, damit abends noch ein Rest für die Nacht bleibt.

Konkret ändere ich an meinem Model Y und meiner Wallbox drei Dinge, sobald der Ertrag spürbar einbricht:

  • Lademodus umstellen. Im Sommer läuft mein Auto meist im reinen Solarmodus. Ab jetzt schalte ich öfter auf den Smart-Modus, der zusätzlich moderat aus dem Speicher zuschießt – aber mit einem Boden. Ich lasse den Speicher dabei bewusst nicht unter etwa 40 Prozent fallen, sonst fehlt abends die Reserve, wenn PV-Ertrag und Speicherstand gleichzeitig niedrig sind. Ein reiner "Alles-Solar-oder-nichts"-Modus dauert im Herbst schlicht zu lange, bis das Auto voll ist.
  • Ladefenster verschieben. Die ertragsreichsten Stunden liegen jetzt enger um die Mittagszeit als im Sommer – bei mir grob zwischen 11 und 15 Uhr statt 9 bis 18 Uhr. Wallbox und Waschmaschine bekommen ihr Zeitfenster entsprechend enger gesetzt, sonst startet die Automatik zu früh oder zu spät und verpasst die schmale Ertragsspitze.
  • Speicher als Abendpuffer, nicht als Ladequelle für das Auto. Ich reserviere den Speicher zunehmend für den Haushalt am Abend und lade das Auto seltener zusätzlich aus dem Speicher – der Effekt: weniger Netzbezug am Abend, dafür etwas längere Ladezeiten fürs Auto, was im Alltag kaum auffällt.

Wer eine Wärmepumpe betreibt, sollte genau jetzt anfangen, deren Heizstab-Nutzung zu beobachten: Läuft er schon im September regelmäßig an, ist das ein Signal, die PV-gesteuerte Vorlauftemperatur-Anhebung enger an die Mittagsstunden zu binden, statt sie über den ganzen Tag zu verteilen.

So habe ich Wallbox, Speicher und Wärmepumpe verzahnt

In meinem Solar Kompass regle ich Lademodus und Speicher-Boden für die Wallbox direkt über die App – inklusive der 40-Prozent-Grenze für den Smart-Modus.

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Kurzcheck: Module reinigen oder nicht?

Bei starkem Laubfall in Baumnähe lohnt sich ein Blick aufs Dach – ein einzelnes verschattetes Modul kann in vielen Anlagen den Ertrag des ganzen Strangs überproportional drücken. Ohne Bäume in der Nähe ist Reinigung dagegen meist Zeitverschwendung: Der übliche Pollen- und Staubbelag kostet laut Herstellerangaben nur 2 bis 5 Prozent Ertrag, deutlich weniger als der saisonale Einbruch durch Sonnenstand und Tageslänge. Ich reinige meine Module deshalb nur bei sichtbarem Laub, nicht routinemäßig.

Fazit: Nicht die Anlage ist das Problem, sondern der Kalender

Der Herbsteinbruch beim PV-Ertrag ist kein Defekt und meistens auch kein Grund, in mehr Speicher zu investieren. Er ist ein Steuerungsproblem: enger takten, Speicher als Abendreserve behandeln, Ladefenster auf die schmalere Mittagsspitze legen. Das kostet nichts außer ein paar Minuten in der App – und bringt an meiner eigenen Anlage spürbar mehr als jede zusätzliche Kilowattstunde Speicher es im Herbst könnte.

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Häufige Fragen zum PV-Ertrag im Herbst

Wie stark sinkt der PV-Ertrag im Herbst wirklich?

Rund 70 Prozent des Jahresertrags fallen zwischen April und September an, nur etwa 30 Prozent auf die Wintermonate Oktober bis März. Der flachere Sonnenstand und kürzere Tage wiegen schwerer als einzelne Wolkentage.

Lohnt sich ein größerer Speicher speziell für den Herbst?

Meistens nein – der Speicher ist eine Jahresrechnung, und ein Nachkauf im Herbst amortisiert sich in den ertragsschwächsten Monaten am langsamsten. Sinnvoller ist eine gezieltere Steuerung des vorhandenen Speichers.

Sollte ich Wallbox oder Wärmepumpe im Herbst anders steuern?

Ja: Ladefenster auf die schmalere Mittagsspitze legen, den Speicher nicht mehr bis auf null entladen lassen und beim Auto öfter in einen Smart-Modus mit Speicher-Boden statt reinem Solarmodus wechseln.

Muss ich meine PV-Module jetzt reinigen?

Nur bei sichtbarem Laub in Baumnähe – dort kann ein verschattetes Modul überproportional Ertrag kosten. Ohne Bäume in der Nähe ist der saisonale Sonnenstand-Effekt deutlich größer als gewöhnlicher Staub- oder Pollenbelag.