Ratgeber · Sicherheit

Kohlenmonoxid riecht man nicht: Wer einen CO-Melder braucht

Wohnzimmer am Herbstabend mit brennendem Kaminofen und einem weißen Warnmelder an der Wand

Symbolbild: KI-generiert.

Die Heizsaison beginnt, die Thermen laufen wieder an, die Kaminöfen werden angeheizt. Genau jetzt lohnt ein Blick auf ein Risiko, das man weder sehen noch riechen noch schmecken kann. Kohlenmonoxid entsteht bei jeder unvollständigen Verbrennung, und es gibt anders als bei Rauchmeldern keine bundesweite Pflicht, sich davor zu schützen. Hier steht, wer tatsächlich einen CO-Melder braucht, wer nicht, wo das Gerät hängen sollte und was es kostet.

Warum ist Kohlenmonoxid so tückisch?

Kurzantwort: Kohlenmonoxid (CO) ist farb-, geruch- und geschmacklos. Es verdrängt den Sauerstoff im Blut, ohne dass man es merkt. Erste Beschwerden wie Kopfschmerz, Schwindel und Übelkeit wirken wie eine Erkältung oder ein Grippeinfekt. Hohe Konzentrationen führen laut Fachquellen innerhalb weniger Minuten zur Bewusstlosigkeit.

Das Gefährliche ist die Verwechslung: Wer sich abends müde und benommen fühlt, geht eher ins Bett, als nach einer Gasquelle zu suchen. Im Schlaf fehlt dann auch die Chance, die Warnzeichen überhaupt zu bemerken. Ein Melder ersetzt in diesem Moment die Sinne, die der Körper dafür nicht hat.

Die Größenordnung: Das Feuerwehrmagazin nennt (2024) für Deutschland rund 3.500 Krankenhausbehandlungen wegen Kohlenmonoxid-Vergiftung pro Jahr im Schnitt der vergangenen zehn Jahre, etwa jede sechste davon endete tödlich. Wichtig zur Einordnung: Diese Zahl trennt nicht nach Ursache. Das Feuerwehrmagazin unterscheidet dort nicht zwischen Heizungsunfällen, Brandgasen und anderen Ursachen. Wie viele davon ein Melder im Wohnzimmer verhindert hätte, lässt sich daraus nicht ablesen. Ich nenne sie, damit klar ist, dass es kein Randthema ist, nicht als Beleg für eine Einzelquote.

Bin ich überhaupt betroffen?

Kurzantwort: Betroffen sind alle Haushalte mit einer Feuerstätte in der Wohnung oder im Haus: Gastherme, Gasetagenheizung, Gasdurchlauferhitzer, Kaminofen, Holz- oder Pelletofen. Kaum betroffen sind Haushalte, in denen nichts verbrannt wird, also Wärmepumpe, Fernwärme oder Elektroheizung ohne Kamin.

Die Quellen im Wohnbereich, die Fachstellen nennen, sind defekte Heizgeräte, schlecht gewartete Abgasrohre, falsch gelagerte Holzpellets, Thermen und Heizungsanlagen sowie Teelichtöfen und Shisha. Dazu kommt ein Punkt, der Mieter überrascht: Kohlenmonoxid kann durch Schächte und Kamine von Nachbarwohnungen in die eigene Wohnung ziehen. Wer selbst nichts verbrennt, aber neben einer Wohnung mit Gastherme oder Ofen lebt, ist nicht automatisch außen vor.

  • Eher ja: Gastherme oder Gasetagenheizung in Wohnung oder Keller, Kaminofen im Wohnzimmer, Pelletofen, Gasdurchlauferhitzer im Bad, mobile Gasgeräte im Gartenhaus oder Wohnmobil.
  • Eher nein: Neubau mit Wärmepumpe, Fernwärme und Induktionsherd, ohne Kamin und ohne Nachbarn mit Feuerstätte. Dort verhindert ein Melder kein reales Risiko, das Geld ist besser in einen guten Rauchmelder investiert.
  • Grenzfall: Eine regelmäßig gewartete Gasheizung ist seltener ein Problem, aber nicht ausgeschlossen: Defekte können zwischen zwei Wartungsterminen entstehen, und ein Melder kostet weniger als eine Wartung.

Gibt es eine Pflicht für CO-Melder?

Kurzantwort: Bundesweit nein. Für Rauchmelder gilt die Pflicht seit 2021 in allen Bundesländern, für CO-Melder in Privathaushalten nicht. Einzelne Bundesländer schreiben sie für bestimmte Fälle vor, etwa für Räume mit Gasthermen. Empfohlen werden sie trotzdem von Fachstellen wie „Das sichere Haus“.

Das ist der eigentliche Grund, warum so viele Wohnungen keinen haben: Der Rauchmelder hängt, weil der Vermieter ihn anbringen muss. Beim CO-Melder entscheidet niemand für Sie. Wer ihn will, muss ihn selbst kaufen, und wer in einer Mietwohnung mit Gastherme lebt, sollte das Thema trotzdem beim Vermieter ansprechen. Wie die Regel in Ihrem Bundesland genau lautet, steht in der jeweiligen Landesbauordnung. Ich gebe hier bewusst keine Länderliste an, weil ich sie nicht vollständig geprüft habe.

Was verlangt die Norm EN 50291 von einem CO-Melder?

Kurzantwort: Geprüfte Geräte tragen die Kennzeichnung EN 50291. Die Norm legt fest, wann ein Melder auslösen muss und wann er noch nicht darf: bei 50 ppm spätestens nach 90 Minuten, bei 100 ppm nach höchstens 40 Minuten, bei 300 ppm in unter drei Minuten.

CO-KonzentrationDarf frühestens auslösen nachMuss spätestens auslösen nach
30 ppm120 Minutenkein Alarm gefordert
50 ppm60 Minuten90 Minuten
100 ppm10 Minuten40 Minuten
300 ppm–unter 3 Minuten

Zeitfenster der EN 50291 nach heizsparer.de und Key Security, abgerufen am 5. Oktober 2026. Den Normtext selbst habe ich nicht eingesehen. Maßgeblich ist die Herstellerangabe auf dem Gerät.

Was die Tabelle zeigt: Ein Melder warnt nicht bei jedem Hauch CO. Das Gerät ist bewusst so abgestimmt, dass kurze, harmlose Spitzen, etwa beim Anheizen, keinen Alarm auslösen. Es warnt, wenn die Belastung über Zeit gefährlich wird. Deshalb sollten Sie auf der Verpackung nach „EN 50291“ suchen und Geräte ohne diese Angabe meiden.

Wo hängt man einen CO-Melder auf?

Kurzantwort: Im selben Raum wie die Feuerstätte, ein bis drei Meter horizontal davon entfernt, nicht über Herd oder Spüle und nicht im Badedampf. Zusätzlich ein Gerät in Hörweite des Schlafbereichs. Ob Decke oder Atemhöhe, gibt die Anleitung des Herstellers vor.

Hier widersprechen sich die Ratgeber, und das sage ich offen. Die einen empfehlen Deckenmontage mit 30 Zentimetern Abstand zur Wand, die anderen Montage auf Atemhöhe, also etwa 1,5 bis 1,7 Meter. Die einheitliche Linie in allen Quellen ist die Entfernung zur Quelle von ein bis drei Metern und der Standort im selben Raum. Bei der Höhe gilt: Die Anleitung des konkreten Geräts schlägt jede Faustregel, weil sie auf dessen Sensor abgestimmt ist.

  • Nie hinter Möbeln oder Vorhängen, in toten Ecken oder direkt neben Fenster und Lüftungsöffnung. Dort kommt die Raumluft nicht an den Sensor.
  • Nie über dem Herd oder der Spüle und nicht im Bad mit Dusche. Dampf und Küchendunst können den Sensor stören.
  • Schlafbereich: Wer eine Therme im Flur hat, sollte den Alarm so platzieren, dass er im Schlafzimmer bei geschlossener Tür gehört wird. Hängt er zu weit weg, nützt er nachts nichts.
  • Lebensdauer: Die Sensoren halten etwa 7 bis 10 Jahre. Danach das ganze Gerät ersetzen und das Datum beim Aufhängen auf der Rückseite vermerken.

Was hilft wirklich: drei Stufen von kostenlos bis smart

Mein Rat folgt einer festen Reihenfolge, und der Melder steht nicht am Anfang. Er ist das Netz, nicht die Vorsorge.

Stufe 1: kostenlos, sofort

  • Heizung, Therme und Abgasführung regelmäßig vom Fachbetrieb warten lassen. Defekte Heizgeräte und schlecht gewartete Abgasrohre stehen bei den Fachstellen ganz oben auf der Ursachenliste.
  • Kaminofen nur mit ausreichender Verbrennungsluft betreiben und die Klappe nicht zu früh schließen, solange noch Glut da ist.
  • Keine Grills, Heizpilze, Teelichtöfen oder Shisha-Kohle in geschlossenen Räumen. Dort sammelt sich Kohlenmonoxid ohne Abzug. Auch bei einem Stromausfall im Winter nicht mit Gas- oder Benzingeräten im Haus improvisieren, dazu siehe Stromausfall im Winter.
  • Auf Warnzeichen achten: Kopfschmerz, Schwindel oder Übelkeit, die verschwinden, sobald man die Wohnung verlässt, und bei mehreren Personen oder Haustieren gleichzeitig auftreten.

Stufe 2: günstig, der eigentliche Schutz

Ein CO-Melder nach EN 50291 kostet als Standardgerät grob 15 bis 30 Euro (Richtwerte laut wohnschutz.com, abgerufen am 5. Oktober 2026). Eines pro Feuerstätte und eines in Hörweite des Schlafbereichs ist für die meisten Haushalte genug. Ein normaler Rauchmelder ersetzt ihn nicht: Er reagiert auf Rauchpartikel, Kohlenmonoxid entsteht aber auch ohne sichtbaren Rauch. Wie Sie bei Rauchmeldern die richtige Bauart wählen, steht in unserem Rauchmelder-Vergleich.

Stufe 3: smart, wenn niemand den Alarm hört

Kombigeräte mit Rauch- und CO-Sensor gibt es ab etwa 30 Euro, Varianten mit App-Benachrichtigung ab etwa 22 Euro. Sinnvoll ist das vor allem, wenn die Therme im Keller steht und der akustische Alarm oben nicht ankommt, genau die Lücke, die wir beim Rauchmelder im Flur, Feuer im Keller beschrieben haben. Einen eigenen Test eines CO-Melders gibt es bei uns bisher nicht. Deshalb nenne ich hier kein Modell: Kaufen Sie nach der EN-50291-Kennzeichnung und dem Ablaufdatum, nicht nach dem Preis. Ein Rabatt ist kein Kaufgrund bei einem Gerät, das Leben schützen soll.

Was tun, wenn der CO-Melder Alarm schlägt?

Kurzantwort: Fenster und Türen öffnen, die Feuerstätte nicht weiterbetreiben, mit allen Personen und Tieren die Wohnung verlassen und den Notruf 112 wählen. Nicht zurückgehen, um nachzusehen. Bei Kopfschmerz, Schwindel oder Übelkeit ärztliche Hilfe holen, auch wenn es wieder besser geht.

Ein Alarm ist kein Anlass zum Rätseln, ob er falsch sein könnte. Ein Fehlalarm ist im Vergleich zu einer Vergiftung das kleinere Übel, und die Feuerwehr misst vor Ort nach. Erst wenn Feuerwehr oder Fachbetrieb die Entwarnung gegeben haben, wird die Feuerstätte wieder in Betrieb genommen.

Meine Einordnung: Wer eine Gastherme, einen Gasdurchlauferhitzer oder einen Kaminofen hat, sollte einen EN-50291-Melder aufhängen. Das kostet einen Bruchteil einer Heizungswartung. Wer nichts verbrennt und keine Feuerstätten in der Nachbarschaft hat, kann das Geld sparen und stattdessen sicherstellen, dass die Rauchmelder funktionieren.

Häufige Fragen

Brauche ich einen CO-Melder, wenn ich eine Gastherme habe?

Es gibt keine bundesweite Pflicht, aber ein Melder ist bei Gastherme, Kaminofen oder Gasdurchlauferhitzer sinnvoll. Einzelne Bundesländer schreiben ihn für bestimmte Fälle vor, etwa für Räume mit Gasthermen. Ein Gerät kostet meist 15 bis 30 Euro.

Wo hängt man einen CO-Melder auf?

Im selben Raum wie die Feuerstätte, ein bis drei Meter horizontal davon entfernt, nicht über Herd, Spüle oder im Badedampf. Ob Decke oder Atemhöhe, entscheidet die Anleitung des Herstellers, denn die Quellen widersprechen sich. Zusätzlich ein Gerät in Hörweite des Schlafbereichs.

Ersetzt der Rauchmelder den CO-Melder?

Nein. Ein normaler Rauchmelder reagiert auf Rauchpartikel, Kohlenmonoxid entsteht aber auch ohne sichtbaren Rauch. Nur Kombigeräte mit eigenem CO-Sensor decken beides ab.

Was tun, wenn der CO-Melder Alarm schlägt?

Fenster und Türen öffnen, Feuerstätte nicht weiter betreiben, den Raum mit allen Personen verlassen und den Notruf 112 wählen. Nicht zurückgehen, um nachzusehen, und bei Kopfschmerz, Schwindel oder Übelkeit sofort ärztliche Hilfe holen.

Wie lange hält ein CO-Melder?

Die elektrochemischen Sensoren halten laut Herstellerangaben und Ratgebern etwa 7 bis 10 Jahre. Danach wird das komplette Gerät ersetzt. Gute Modelle zeigen das Ablaufdatum selbst an.

Fazit: Erst die Feuerstätte prüfen, dann den Melder aufhängen

Kohlenmonoxid ist ein Risiko, das man nicht merkt, und genau deshalb zahlt sich ein günstiges Gerät aus. Die Reihenfolge: Feuerstätte warten lassen, Verbrennungsluft sicherstellen, gefährliche Geräte aus geschlossenen Räumen fernhalten, und dann einen Melder nach EN 50291 im selben Raum aufhängen, in Hörweite des Schlafbereichs. Eine Pflicht gibt es nicht. Deshalb ist es Ihre Entscheidung, und die sollte vor dem ersten kalten Abend fallen, nicht danach.