Großbritannien holt beim Solarausbau massiv auf
Kurz gesagt: Großbritannien hat in den letzten drei Jahren rund 7 GW Solarkapazität zugebaut und liegt aktuell bei etwa 22,3 GW. Bis 2030 will das Land auf 45-57 GW kommen. Größtes Hindernis bleibt der Netzanschluss: Die Warteschlange der Projekte übersteigt den tatsächlichen Bedarf um ein Vielfaches, eine Reform soll bis 2030 132 GW an Erneuerbaren-Kapazität ans Netz bringen.
Symbolbild: KI-generiert
Der britische Solarmarkt hat sich nach Jahren des Stillstands berappelt: Laut dem Branchenverband Solar Energy UK sind in den vergangenen drei Jahren rund 7 Gigawatt (GW) neue Solarkapazität hinzugekommen - Zuwachsraten, wie sie das Land seit 2016 nicht mehr gesehen hat. Ende April 2026 lag die installierte Gesamtleistung bei 22,3 GW, verteilt auf mehr als zwei Millionen Anlagen. Getrieben wird das Wachstum vor allem durch Rekordzuschläge in aufeinanderfolgenden Runden der staatlichen "Contracts for Difference"-Ausschreibungen (CfD) sowie mehrere Großprojekte, die über das beschleunigte Genehmigungsverfahren für national bedeutsame Infrastruktur grünes Licht erhielten.
Chris Hewett, Chef von Solar Energy UK, ordnet die Entwicklung als Comeback nach einer langen Flaute ein - befeuert von Politik und Investitionsklima, aber weiterhin gebremst durch strukturelle Probleme. Die britische Regierung hat sich im Rahmen ihres "Clean Power 2030"-Plans ein ambitioniertes Ziel gesetzt: 45 bis 57 GW Solarkapazität bis zum Ende des Jahrzehnts, je nach Szenario mehr als das Doppelte des heutigen Bestands.
Der Flaschenhals liegt beim Netz. Vor der jüngsten Reform türmte sich die Warteschlange der Projekte, die auf einen Netzanschluss warten, laut Solar Power Portal auf rund 722 GW auf - etwa das Vierfache dessen, was zur Erreichung der Klimaziele überhaupt nötig wäre. Der Netzbetreiber NESO hat deshalb ein neues Vergabeverfahren eingeführt, das Projekte nach Baureife statt nach Anmeldedatum priorisiert; insgesamt sollen bis 2030 rund 132 GW an Erneuerbaren-Kapazität (Gate-2-Phase-1) einen verbindlichen Netzanschluss erhalten. Allein bei Solaranlagen auf Übertragungsnetzebene stehen laut Register über 220 GW an Projekten in der Warteschlange.
Für deutsche Leser ist die britische Entwicklung ein Blick auf ein strukturell ähnliches Problem: Auch hierzulande bremsen Netzanschluss-Warteschlangen und Genehmigungsverfahren den Photovoltaik-Ausbau, wenn auch in anderem Ausmaß. Großbritanniens Erfahrung zeigt, dass selbst bei politisch gewolltem Rekordwachstum die Infrastruktur zum eigentlichen Engpass wird - ein Muster, das auch deutsche Netzbetreiber und Projektentwickler zunehmend beschäftigt.
Quelle: pv magazine international