Netzroulette 🎲 Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus: bis zu 50.000 Euro Netzkosten
Kurz gesagt: Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) zusammen mit dem Wärmepumpenhersteller Daikin zeigt: Der Baukostenzuschuss für einen Wärmepumpen-Netzanschluss im Mehrfamilienhaus schwankt je nach Netzbetreiber zwischen null und über 50.000 Euro. Ursache sind uneinheitliche Leistungsgrenzen (43 bis 156 Kilowatt) und eine Lastberechnungsnorm (DIN 18015-1), die den tatsächlichen Bedarf laut Studie bis zum Faktor 2,5 überschätzt. Experten fordern bundesweit einheitliche Grenzen und realistischere Berechnungen statt pauschaler Sicherheitsaufschläge.
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Wer in einem Mehrfamilienhaus von Gas oder Öl auf eine Wärmepumpe umsteigen will, plant meist mit den Kosten für Gerät und Installation - und wird dann von einer ganz anderen Rechnung überrascht: dem sogenannten Baukostenzuschuss, den der örtliche Netzbetreiber für den nötigen Stromanschluss verlangen darf. Wie hoch der ausfällt, hat mit der Wärmepumpe selbst oft wenig zu tun.
Zwischen null und 50.000 Euro - für dieselbe Technik
Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) hat gemeinsam mit dem japanischen Wärmepumpenhersteller Daikin ein Whitepaper vorgelegt, das die Kostenschwankungen sichtbar macht: Für ein und dieselbe Mehrfamilienhaus-Wärmepumpe kann der Baukostenzuschuss je nach Netzbetreiber bei null Euro liegen - oder bei mehr als 50.000 Euro. Ein Grund dafür: Die drei untersuchten Netzbetreiber setzen ihre Leistungsgrenze für einen normalen Standardanschluss ganz unterschiedlich an, zwischen rund 43 und 156 Kilowatt. Wer über der jeweiligen Grenze seines Netzbetreibers liegt, zahlt drauf - unabhängig davon, wie viel Strom die Wärmepumpe im Alltag tatsächlich zieht.
Die Norm überschätzt den Bedarf - teils massiv
Der zweite Kostentreiber liegt in der Berechnung selbst: Die deutsche Norm DIN 18015-1 dient vielen Netzbetreibern als Grundlage, um den zu erwartenden Leistungsbedarf eines Gebäudes zu schätzen. Laut der Fraunhofer-Analyse kann dieses Verfahren den tatsächlichen Bedarf um bis zum Faktor 2,5 überschätzen - die Norm rechnet also mit deutlich mehr gleichzeitig laufender Last, als in der Praxis anfällt. Das bestätigt auch eine unabhängige Einschätzung aus der Elektropraxis: Viele Netzbetreiber addieren die Anschlussleistungen aller Geräte mit einem Gleichzeitigkeitsfaktor von 100 Prozent - obwohl eine Wärmepumpe im laufenden Betrieb oft nur 1 bis 4 Kilowatt zieht und eine Wallbox meist ohnehin nur mit PV-Überschuss lädt. Wer maximale Werte addiert statt realistischer Lastprofile, kommt zwangsläufig auf einen überhöhten Netzanschlussbedarf - und damit auf einen überhöhten Baukostenzuschuss.
Was das für Eigentümer und Vermieter bedeutet
Für alle, die eine Wärmepumpen-Sanierung im Mehrfamilienhaus planen, folgt daraus ein konkreter Rat: Den Baukostenzuschuss frühzeitig beim zuständigen Netzbetreiber erfragen und nicht als Nebensache behandeln - er kann die Wirtschaftlichkeit des ganzen Vorhabens kippen. Ein Hebel, den Fachleute empfehlen, ist die Anmeldung der Wärmepumpe als steuerbares Verbrauchsgerät nach Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes: Wird eine feste maximale Anschlussleistung mit dem Netzbetreiber vereinbart und technisch per Lastmanagement eingehalten, kann das eine teure Kapazitätserhöhung ersetzen oder zumindest verringern. Langfristig fordert die Fraunhofer-Studie etwas Grundsätzlicheres: bundesweit vergleichbare Pauschalgrenzen, messdatenbasierte Normen statt pauschaler Sicherheitsaufschläge und mehr Transparenz bei der Kapazitätsplanung der Netzbetreiber. Bis das umgesetzt ist, bleibt der Netzanschluss für viele Mehrfamilienhäuser ein Kostenfaktor, der sich kaum vorab kalkulieren lässt.
Quelle: pv magazine, ergänzt um eine fachliche Einordnung zum Baukostenzuschuss von elektro.net.