Mäuse-Power 💪 1,5 cm Mini-Roboter mit gezüchtetem Muskeln im Laufrekord
Kurz gesagt: Forscher der ETH Zürich haben 1,5 cm kleine Roboter gebaut, die von im Labor gezüchtetem Mausmuskelgewebe angetrieben werden. Eine gehende Version schafft 6,2 mm pro Sekunde – relativ zur Körperlänge schneller als bisherige biohybride Läufer. Für Wohnzimmer oder Alltag ist das noch weit weg: Die Muskeln brauchen eine Nährlösung.
Symbolbild: KI-generiert
Motoren, Getriebe und Akkus machen Roboter schwer, laut und starr – und je kleiner sie werden sollen, desto schwieriger wird es. Ein Forschungsteam der ETH Zürich geht deshalb einen ganz anderen Weg: Es lässt lebende Muskeln die Arbeit erledigen. Im Video oben zeigt das Soft Robotics Lab der ETH, wie solche Maschinen sich bewegen.
Was die Forscher gebaut haben
Die Antriebe, sogenannte Bioaktuatoren, sind rund 1,5 Zentimeter lang. Sie bestehen aus Skelettmuskelgewebe, das aus Mauszellen im Labor gezüchtet wurde, und einem weichen, wasserreichen Gerüst aus Hydrogel. Das Gerüst wird per Licht 3D-gedruckt (Xolographie), nach Berichten dauert das etwa eine Minute pro Stück. Feine Rillen darin helfen dem Gewebe, sich zu verankern und die Muskelfasern in eine Richtung auszurichten. Entscheidend war laut den Berichten, Muskel und Gerüst gemeinsam zu entwerfen, unterstützt von einer Computersimulation.
Das Ergebnis: Bei einer einzelnen Kontraktion hebt sich ein Aktuator etwa 5 Millimeter vom Boden ab, rund ein Drittel seiner Körperlänge. Eine gehende Variante kommt auf 6,2 Millimeter pro Sekunde und ist damit im Verhältnis zur Körperlänge schneller als bisher berichtete gehende biohybride Roboter. Bei vergleichbarer Muskelmenge soll der Bewegungsumfang bis zu elfmal größer sein als bei früheren Konstruktionen. Die Aktuatoren können laut Berichten außerdem springen, schwimmen und Gegenstände greifen. Die Studie von Aiste Balciunaite und Mike Y. Michelis unter der Leitung von Prof. Robert Katzschmann ist 2026 in Nature Communications erschienen.
Unsere Einordnung: Was heißt das im Alltag?
Kurz gesagt: noch nichts – und das ist ehrlich gemeint. Das Muskelgewebe überlebt bislang nur in einer Nährlösung, außerhalb des Labors können die Roboter nicht arbeiten. Größere Systeme würden ein künstliches Blutgefäßsystem brauchen, das Sauerstoff und Nährstoffe liefert. Und gezüchtetes Gewebe verhält sich nicht bei jedem Exemplar gleich. Dass daraus bald menschenähnliche Humanoide werden, wie manche Schlagzeilen andeuten, beschreibt die Studie selbst nicht; das ist Spekulation der Berichterstattung.
Spannend ist die Richtung: Weiche, leise und energiesparende Antriebe könnten eines Tages in der Medizin oder bei sehr kleinen Robotern nützlich sein. Für Smart-Home-Geräte wie Saugroboter oder Mähroboter bleiben bis auf Weiteres Motoren und Akkus die Technik der Wahl. Katzschmann fasst es so zusammen: „Wir fangen gerade erst an, Roboter auf eine natürlichere Weise zu bauen.“
Quellen: Berichte von Robotics & Automation News und Techno-Science. Die Originalstudie in Nature Communications konnten wir nicht selbst einsehen; die Zahlen stammen aus diesen Berichten.