Burgenland Energie: Bürger beteiligen sich an PV und Wind
Kurz gesagt: Burgenland Energie lässt Einwohner von 31 Standortgemeinden Solarmodule kaufen und zurückvermieten oder Windkraft-Anteile erwerben. Es gibt drei Prozent fest pro Jahr, fünf Jahre Laufzeit, Einstieg ab 500 Euro. Das Angebot gilt nur vor Ort.
Symbolbild: KI-generiert
Wer neben einem Solarpark oder Windrad wohnt, hat meist nur den Anblick – verdient wird anderswo. Der österreichische Versorger Burgenland Energie versucht das zu ändern: Laut pv magazine startet das Unternehmen ein Beteiligungsmodell für volljährige Einwohner von 31 Standortgemeinden.
So funktioniert das Modell
Es gibt zwei Bausteine. Bei Photovoltaik kaufen Teilnehmer konkrete Solarmodule und vermieten sie an die Projektgesellschaft BE Energy zurück. Bei Windkraft erwerben sie wirtschaftliche Miteigentumsanteile, die treuhänderisch gehalten werden. Insgesamt geht es um bis zu 30.000 Module sowie Windanteile im Wert von bis zu 4,7 Millionen Euro.
Die Pakete kosten 500, 2.500 oder 5.000 Euro, die Obergrenze je Person liegt bei 50.000 Euro. Die Vergütung beträgt feste 3 Prozent pro Jahr, unabhängig vom tatsächlichen Stromertrag. Die Laufzeit ist auf fünf Jahre angelegt, danach soll der Kaufpreis vollständig zurückfließen. Betrieb, Wartung und Versicherung übernimmt Burgenland Energie.
Unsere Einordnung
Rechnerisch bringen 5.000 Euro bei drei Prozent 150 Euro im Jahr, nach fünf Jahren also 750 Euro. Das ist kein Renditewunder, aber ein planbarer Betrag, der nicht von Sonne und Wind abhängt. Genau hier liegt die Kehrseite: Die Zahlungen hängen an der Zahlungsfähigkeit des Versorgers. Der garantiert sie zwar nach eigenen Angaben, ein Restrisiko schließt auch pv magazine nicht aus. Wer mitmacht, sollte die Vertragsunterlagen genau lesen und nur Geld einsetzen, das er entbehren kann. Eine Anlageberatung ist dieser Text nicht.
Neu ist die Idee im Burgenland nicht. Nach Angaben des Versorgers konnten sich Bürger schon 2013 an einer Windanlage in Zurndorf beteiligen – damals mit 3,2 Prozent über zehn Jahre. Das neue Modell ist kürzer und bündelt Wind und Sonne in einem Angebot. Zum Vergleich nennt pv magazine einen Solarpark in Silberstedt (Schleswig-Holstein), an dem sich Anwohner 2024 über ein Nachrangdarlehen von Vattenfall beteiligen konnten.
Für Leser in Deutschland ist das Angebot nicht nutzbar: Mitmachen dürfen nur Einwohner der 31 Standortgemeinden. Interessant ist es trotzdem als Vorlage. Beteiligungen sind ein bewährtes Mittel, um Akzeptanz für neue Anlagen vor der Haustür zu schaffen. Welche 31 Gemeinden das sind, nennt der Artikel von pv magazine nicht. Unabhängige Stimmen oder Kritik zum Modell lagen uns zum Redaktionsschluss nicht vor.