Balkonkraftwerk bei Stromausfall: Was die Notstromsteckdose kann
Kurz gesagt: Ein Balkonkraftwerk läuft bei Netzausfall nur weiter, wenn der Speicher einen eigenen Notstromausgang hat. Dann versorgt er ein Inselnetz – aber nur an dieser einen Steckdose, je nach Modell mit 1.200 bis 2.400 Watt. Hausweit funktioniert das nicht ohne Elektriker, und „mehrere Tage“ gehen nur mit Nachladen durch die Sonne.
Die Frage kommt regelmäßig: Es gibt einen Stromausfall, im Haus steht ein Balkonspeicher – läuft das Balkonkraftwerk dann weiter? Die kurze Antwort: nur mit einem Gerät, das ausdrücklich einen Notstromausgang hat. Der Hersteller Zendure hat die Technik gerade in einem Ratgeber erklärt. Weil Zendure selbst Speicher verkauft, haben wir die Angaben mit unabhängigen Quellen abgeglichen.
Warum normale Anlagen abschalten
Ein Wechselrichter am Hausnetz richtet sich nach Spannung und Frequenz des öffentlichen Netzes. Fällt es weg, muss er nach dem Netz- und Anlagenschutz (VDE-AR-N 4105) binnen Millisekunden abschalten. Sonst würde Strom in eine Leitung fließen, an der gerade ein Techniker arbeitet. Das ist kein Defekt, sondern Vorschrift, wie auch photovoltaik.info erklärt. Ein Speicher ohne eigenen Notstromausgang schaltet ebenso ab.
Was ein Notstromausgang tut
Geräte mit Notstromsteckdose trennen sich vom Netz und bauen ein eigenes Inselnetz auf. Strom gibt es dann nur an dieser Steckdose am Speicher, nicht im Haus: Deckenlampen, Herd und Wandsteckdosen bleiben dunkel. Eine hausweite Versorgung braucht Umschalttechnik vom Elektriker. Die Leistung unterscheidet sich stark. Laut homeandsmart.de liefern Anker Solarbank 3 und Solakon bis zu 1.200 Watt, EcoFlow Stream bis zu 2.300 Watt je Steckdose. Zendure nennt für den SolarFlow 2400 Pro 2.400 VA. Praktisch heißt das: Ein Wasserkocher mit bis zu 2.200 Watt scheitert an einem 1.200-Watt-Ausgang, und selbst wo er läuft, ist ein 2,4-kWh-Akku nach rund einer Stunde leer.
Nachgerechnet: „mehrere Tage“?
Zendure rechnet für Kühlschrank, Router und Licht mit rund 70 Watt und verspricht „mehrere Tage“. Bei 2,4 Kilowattstunden Kapazität sind das rechnerisch etwa 34 Stunden, noch vor Wandlungsverlusten. Länger geht es nur, wenn der Speicher nachlädt. Das klappt laut Zendure, wenn die Module direkt am Speicher hängen; AC-seitig angekoppelte Mikrowechselrichter schalten im Ausfall ab. Im Herbst und Winter bleibt der Solarbeitrag klein. Alle Laufzeiten sind Herstellerangaben, keine Messwerte.
Worauf Käufer achten sollten
Wichtig sind ein eigener Notstromausgang (nicht nur „mit Speicher“), die Dauerleistung statt der Spitzenleistung und eine ausdrückliche Zusage zum Nachladen im Inselbetrieb. Auch die Umschaltzeit zählt: Zendure nennt 15 Millisekunden, bei der Solakon-Lösung spricht homeandsmart.de von „innerhalb von Sekunden“. Router und PC ohne Pufferung können dabei neu starten. Fazit: Für Stunden bis ein, zwei Tage Ausfall mit Router, Licht und Kühlschrank taugt ein Notstromspeicher. Als Ersatz für Hausnetz oder Notstromaggregat taugt er nicht.
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