KI-Imperien: Warum Europa von USA und China abhängt
Kurz gesagt: In einem Essay für Foreign Affairs beschreiben Niall Ferguson, Lisa Klaassen und Eric Schmidt die USA und China als zwei KI-Imperien. Entscheidend sei nicht der technische Durchbruch, sondern wer das Rennen finanzieren kann. Alle anderen Länder, auch Deutschland, würden zu abhängigen Nutzern.
Symbolbild: KI-generiert
Wer künstliche Intelligenz nutzt, nutzt in aller Regel Technik aus zwei Ländern: den USA oder China. Ein neuer Essay in der Zeitschrift Foreign Affairs macht daraus eine Machtfrage. Der Historiker Niall Ferguson, die Forscherin Lisa Klaassen und Ex-Google-Chef Eric Schmidt beschreiben beide Staaten als „KI-Imperien“, von denen der Rest der Welt zunehmend abhängig wird. The Decoder fasst den Essay zusammen; den Originaltext konnten wir nicht vollständig prüfen, die folgenden Thesen stützen sich auf diese Zusammenfassung und eine zweite Darstellung bei AI Weekly.
Kapital schlägt Durchbruch
Die Kernthese: Nicht wer zuerst eine allgemeine KI baut, gewinnt, sondern wer das Rennen bezahlen kann. Dazu gehören Energie, Rohstoffe, Chips und sehr viel Geld. Allein die US-Konzerne wollen laut Essay 2026 mehr als 600 Milliarden Dollar investieren, überwiegend auf Kredit. Wer unter einer bestimmten Schwelle bleibt, sei „nicht im Spiel“.
Zwei Strategien, zwei Schwachstellen
Die USA setzen demnach auf teure, geschlossene Modelle und binden Partner politisch. China verteilt frei verfügbare Open-Weight-Modelle, um eigene Standards zu verbreiten. Beide haben Lücken: China hat reichlich Strom, aber keine Spitzenchips, den USA fehlen Mineralien und ein belastbares Stromnetz. Als größtes Risiko nennen die Autoren eine mögliche Chipkrise um Taiwan, denn der Chipfertiger TSMC ist ein zentraler Knoten der Lieferkette. Auch Proteste gegen Rechenzentren und die hohe Staatsverschuldung der USA könnten das Tempo bremsen.
Was fehlt: harte Benchmarks
Zahlen zu Modellleistung liefert der Essay laut Zusammenfassung kaum. Genannt wird lediglich ein Vorsprung der USA bei Chatbots von rund sechs Monaten, während China bei Robotik vorn liege. Unabhängige Benchmark-Vergleiche, etwa auf LMArena oder SWE-bench, gehören nicht zur Argumentation. Die Einschätzung ist also eine politische Analyse, keine Messung. Schmidt selbst hat den US-Vorsprung in früheren Aussagen unterschiedlich beziffert, zwischen etwa einem Jahr und zwei bis drei Jahren.
Was das für Deutschland bedeutet
Für Verbraucher ändert sich morgen nichts. Mittelfristig zeigt der Essay aber ein Risiko: Preise, Zugang und Regeln für KI-Dienste werden in Washington und Peking gemacht. Wer als Firma oder im Smart Home auf einen einzigen Anbieter setzt, sollte Alternativen im Blick behalten, etwa lokal laufende Modelle oder europäische Dienste. Dass TSMC auch ein Werk in Dresden baut, mindert die Abhängigkeit von Taiwan erst langfristig. Die Autoren schlagen übrigens eine Art KI-Entspannungspolitik nach dem Vorbild des Kalten Krieges vor, mit Obergrenzen für riskante Fähigkeiten. Ob sich die Supermächte darauf einlassen, ist offen.