Gerücht: KI-Standard MCP soll Nutzer mehr kosten
Kurz gesagt: Laut einem Reddit-Beitrag im Forum LocalLLaMA soll das Model Context Protocol (MCP) - ein offener Standard, mit dem KI-Modelle auf externe Werkzeuge zugreifen - in der Praxis mehr Tokens verbrauchen als versprochen und dadurch Nutzer mehr kosten und die Antwortzeit verlangsamen. Konkrete Messwerte zur eigenen Software liefert der Beitrag nicht. Eine unabhängige Studie von Ende 2025 stützt das grundsätzliche Muster mit Zahlen, und selbst Anthropic, einer der MCP-Erfinder, hat im November 2026 mit "Code Execution with MCP" eine eigene Gegenmaßnahme vorgestellt, die nach eigenen Angaben 78,5 Prozent weniger Input-Tokens benötigt.
Wer heute einen KI-Assistenten mit Zusatzfunktionen wie Kalenderzugriff, Dateisuche oder externen Datenbanken ausstattet, tut das meist über das Model Context Protocol (MCP) - einen offenen Standard, den Anthropic 2024 eingeführt hat und den inzwischen auch OpenAI, Google und Microsoft unterstützen. Ein Nutzer im Reddit-Forum LocalLLaMA wirft dem Standard nun vor, genau das Gegenteil dessen zu bewirken, wofür er gedacht ist: MCP-Erweiterungen sollen laut seinem Beitrag mehr Tokens verbrauchen als eine direkte Anbindung, was sowohl die Kosten pro Anfrage als auch die Antwortgeschwindigkeit verschlechtert. Wörtliche Messwerte zur eigenen Software oder zu konkreten Erweiterungen liefert der Beitrag nicht - es handelt sich um eine unbelegte Einzelbeobachtung aus der Entwicklung an einem eigenen KI-Framework, nicht um eine geprüfte Studie.
Was unabhängige Zahlen dazu sagen
Eigene Recherche zeigt: Das grundsätzliche Muster hinter der Behauptung ist tatsächlich belegt. Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Performance MCP-gestützter KI-Agenten (arXiv, November 2025) verglich das Verhältnis von Antwort- zu Eingabe-Tokens bei MCP-Aufgaben mit normalen Chat-Anfragen und fand es um das 2- bis 30-Fache ungünstiger. Grund ist die Architektur: Bei jedem einzelnen Werkzeugaufruf müssen Systemanweisungen, alle verfügbaren Werkzeugbeschreibungen sowie der bisherige Gesprächsverlauf erneut mitgeschickt werden. Bei Googles Modell Gemini 2.0 Flash maß die Studie im Schnitt über 122.000 Eingabe-Tokens für gerade einmal 220 Ausgabe-Tokens pro Aufgabe.
Selbst MCP-Erfinder Anthropic reagiert
Bemerkenswert: Auch Anthropic selbst, einer der Urheber von MCP, bestätigt das Problem inzwischen indirekt. Im November 2026 stellte das Unternehmen in einem eigenen Blogbeitrag den Ansatz "Code Execution with MCP" vor, bei dem ein KI-Modell nicht mehr jedes Werkzeug einzeln über den Chat-Verlauf aufruft, sondern stattdessen Programmcode schreibt, der die Werkzeuge direkt ausführt - Zwischenergebnisse müssen dabei nicht mehr durch den teuren Modellkontext laufen. Laut Anthropics eigenen Angaben spart dieser Umweg bis zu 78,5 Prozent der sonst nötigen Eingabe-Tokens ein. Dass der MCP-Miterfinder selbst eine derart aufwendige Gegenmaßnahme baut, stützt die Grundrichtung der Reddit-Kritik, auch wenn die im Ursprungsbeitrag genannten Erweiterungen und Zahlen nicht überprüfbar sind.
Was das für Nutzer in Deutschland bedeutet
Wer selbst KI-Tools mit MCP-Erweiterungen nutzt - etwa in Entwicklungsumgebungen oder KI-Assistenten mit Plugin-Funktion - zahlt die Rechnung meist automatisch über den Tokenverbrauch der eigenen API-Nutzung mit, ohne es direkt zu bemerken. Ein klarer Warnhinweis aus der Diskussion: Wer eine Erweiterung installiert, die Token-Ersparnis verspricht, sollte das nicht blind glauben, sondern den tatsächlichen Verbrauch im eigenen Abrechnungs-Dashboard beobachten. Da es sich um eine unbestätigte Einzelmeinung aus einem Community-Forum handelt, ist der Reddit-Beitrag selbst kein Beweis - er passt aber zu einem Trend, den sowohl unabhängige Forschung als auch die MCP-Erfinder inzwischen selbst einräumen.
Quelle: Reddit LocalLLaMA, ergänzt um eine unabhängige Studie zur MCP-Performance (arXiv) und Anthropics eigenen Blogbeitrag zu Code Execution with MCP.