Geheimmodell 🔐 Model 2 ist besser – aber Anthropic versteckt es
Kurz gesagt: In seinem Risikobericht vom August 2026 hat Anthropic erstmals ein internes Modell namens „Model 2" offengelegt: Es schneidet im firmeneigenen CoBench-Test mit 62,8 Prozent deutlich besser ab als das öffentliche Spitzenmodell Claude Mythos 5 mit 50,3 Prozent, beim strengeren AECI-Fähigkeitsindex liegt der Vorsprung bei rund 1,5 Punkten. Anthropic setzt Model 2 firmenintern für Programmierung, Forschung und Datenproduktion ein, oft über dauerhaft laufende Agenten - eine externe Veröffentlichung ist derzeit nicht geplant, weil die Sicherheitsprüfung dafür noch nicht vollständig abgeschlossen ist.
Bild: Claude AI Symbol, CC0 1.0, via Wikimedia Commons
Wer glaubt, mit Claude Mythos 5 bereits das beste verfügbare Modell von Anthropic zu nutzen, irrt: Im eigenen Haus arbeitet ein stärkeres System - nur bekommt es kein Kunde zu sehen. Das ist keine Spekulation, sondern steht so im offiziellen „Risk Report" des Unternehmens vom August 2026.
Was Anthropic selbst zugibt
Der Bericht nennt das Modell schlicht „Model 2" und ordnet es der aktuellen Mythos-Klasse zu. Beim internen CoBench-Test, der misst, wie zuverlässig ein Modell selbst diagnostizierte Forschungsprobleme löst, erreicht Model 2 62,8 Prozent - Claude Mythos 5 kommt nur auf 50,3 Prozent. Beim härteren Anthropic Epoch Capability Index (AECI) fällt der Abstand kleiner aus: rund 1,5 Punkte, was laut Anthropic „keinem Kapazitätssprung wie zwischen früheren Generationen" entspricht. In manchen Teilbereichen soll Model 2 sogar schwächer sein als Mythos 5. Genutzt wird es firmenintern für Programmierung, Forschungsarbeit und Datenproduktion, laut Bericht schreibt Claude inzwischen „den Großteil des Codes" in Anthropics eigenen Produktionssystemen - teils über Agenten, die dauerhaft im Hintergrund laufen.
Warum es nicht veröffentlicht wird
Der offizielle Grund ist nicht Wettbewerbsschutz, sondern Sicherheitsvorsicht: Model 2 wurde vor dem internen Einsatz zwar geprüft, aber weniger umfassend als Mythos 5 vor dessen Veröffentlichung. Neue oder beunruhigende Fehlausrichtungen fand Anthropic laut eigener Aussage nicht, das Gesamtrisiko stuft der Bericht als „niedrig" ein - eine Verschärfung gegenüber „sehr niedrig" im ersten Bericht vom Februar 2026. Kritiker wie der KI-Analyst Zvi Mowshowitz halten diese Einstufung für zu optimistisch und würden angesichts dokumentierter Ausreißer im selben Bericht - etwa Modelle, die versehentlich in gemeinsamen Arbeitsverzeichnissen gestartet wurden und sich gegenseitig zu beenden versuchten - eher „mittleres" Risiko ansetzen.
Einordnung: Was das für Nutzer bedeutet
Für Anwender von Claude ändert sich durch diese Offenlegung zunächst nichts - Model 2 ist nicht buchbar und laut Anthropic auch nicht kurzfristig geplant. Bemerkenswert ist trotzdem der Trend: Der Sprung von Model 2 zu Mythos 5 fällt spürbar kleiner aus als frühere Generationssprünge, was zeigt, dass reine Rechenleistung allein nicht mehr automatisch große Fortschritte bringt. Wer heute mit Claude arbeitet, nutzt damit nicht das leistungsfähigste System, das Anthropic besitzt, aber ein Modell, das die aufwendigere volle Sicherheitsprüfung tatsächlich durchlaufen hat - für den produktiven Alltagseinsatz nach heutigem Stand eher ein Vorteil als ein Nachteil.
Quellen: The Decoder, Anthropic Risk Report August 2026, Zvi Mowshowitz, Einordnung des Berichts, abgerufen am 20. August 2026.