Firmen sparen: Anthropics Topmodell Fable 5 kommt nicht in Fahrt
Kurz gesagt: Laut einer Auswertung des Finanzdienstleisters Ramp bei 70.000 Firmen macht Fable 5 seit Ende Juni konstant nur rund 11 Prozent der Anthropic-Ausgaben von Unternehmen aus - deutlich weniger als erwartet. Günstigere Modelle wie Opus 5 legen dagegen weiter zu, und OpenAIs GPT-5.6 Sol zieht bei Nutzung und Umsatz an Fable 5 vorbei. Grund ist offenbar der hohe Preis: Für viele Alltagsaufgaben reicht Firmen die Leistung billigerer Modelle völlig aus.
Symbolbild: KI-generiert
Bislang war es in der KI-Branche fast ein Naturgesetz: Sobald ein Anbieter ein neues, leistungsstärkeres Modell veröffentlicht, wechseln zahlende Firmenkunden zügig dorthin - auch wenn es teurer ist. Bei Anthropics Spitzenmodell Fable 5 passiert das offenbar nicht. Das berichtet heise online unter Berufung auf eine Auswertung des Finanzdienstleisters Ramp.
Ramp wertet die Ausgaben von rund 70.000 Unternehmen für Kreditkarten- und Ausgabenmanagement aus und veröffentlicht daraus monatlich einen KI-Index. Demnach entfielen im ersten Monat nach dem Start nur etwa sechs Prozent der bei Anthropic gekauften Token auf Fable 5, gemessen an den Gesamtausgaben lag der Anteil bei 11,4 Prozent - und dort ist er seit Ende Juni praktisch eingefroren. Anthropics kleineres, aber weiterhin leistungsfähiges Modell Opus 5 hat Fable 5 bei den Firmenausgaben nach seinem Start Ende Juli inzwischen sogar überholt.
Der Preis ist der Knackpunkt
Als Hauptgrund gilt der Preis: Fable 5 kostet nach Angaben aus dem Ramp-Bericht rund 10 US-Dollar je Million Input-Token und 50 US-Dollar je Million Output-Token - etwa doppelt so viel wie OpenAIs aktuelles Flaggschiff GPT-5.6 Sol oder Anthropics eigene günstigere Modelle. Ramp-Ökonom Ara Kharazian bringt es laut heise auf den Punkt: Weil OpenAIs neuestes Modell so gut sei und das teure Fable 5 unterdurchschnittlich genutzt werde, zeige sich nun das Gegenteil der bisherigen Marktdominanz Anthropics. Trotz höherer Kosten pro Token brachte Fable 5 den Berichten zufolge nur rund 75 Prozent des Umsatzes ein, den GPT-5.6 Sol bei OpenAI erzielte.
Was das für Nutzer bedeutet
Für Unternehmen und auch Privatanwender ist das eine handfeste Entscheidungshilfe: Wer Claude produktiv einsetzt, sollte vor jedem Projekt prüfen, ob die günstigeren Modelle wie Opus 5 für die konkrete Aufgabe ausreichen - laut den Ramp-Zahlen ist das für die meisten Alltagsaufgaben offenbar der Fall. Für Anthropic selbst ist die Entwicklung ein Warnsignal: Trotz der aktuellen Zurückhaltung bei Fable 5 führt das Unternehmen laut aktuellen Ramp-Daten weiterhin bei der reinen Kundenzahl im Firmenmarkt vor OpenAI, verliert aber an Boden bei besonders leistungshungrigen, teuren Anwendungsfällen. Es deutet sich an, dass die Zahlungsbereitschaft von Firmen für die jeweils teuerste KI-Spitzenklasse eine Grenze erreicht hat - ein Muster, das sich in den kommenden Monaten bei weiteren Modell-Generationen zeigen dürfte.