Tesla-Woche: Cybercab-Ärger, NHTSA-Audit, Frankreich testet FSD
Kurz gesagt: Der Cybercab-Start in Austin fiel deutlich kleiner aus als angekündigt - Musk blieb fern, es gab nur wenige Fahrzeuge im Einsatz, und die US-Verkehrsbehörde NHTSA eröffnete Stunden später eine förmliche Untersuchung, weil die Robotaxis ohne Lenkrad und Pedale unterwegs sind. Parallel bewegt sich Europa: Frankreich testet FSD nun auf eigenen Straßen, nachdem Verkehrsminister Tabarot noch im Juli Sicherheitsbedenken hatte. In Grünheide bleibt die Produktion mit unter 6.500 Model Y pro Woche hinter dem Oktober-Ziel von 7.500 zurück. Eine Auswertung von 500.000 Akku-Tests zeigt das Model Y mit 90,3 Prozent Restkapazität nach 150.000 Kilometern deutlich vor dem Nissan Leaf.
Symbolbild: KI-generiert
Die vergangene Woche brachte für Tesla vier Entwicklungen, die zusammen ein durchwachsenes Bild ergeben: einen holprigen Robotaxi-Start mit sofortiger Behörden-Reaktion, einen vorsichtigen Fortschritt bei der FSD-Zulassung in Europa, anhaltende Produktionsprobleme in Brandenburg - und eine Akku-Studie, die zumindest technisch gute Nachrichten liefert.
Cybercab-Start ohne Feuerwerk, dafür mit NHTSA-Untersuchung
Der lang angekündigte Cybercab-Start in Austin geriet zur Enttäuschung: Die Veranstaltung fiel kurz aus, einen Livestream gab es nicht, und CEO Elon Musk erschien nicht persönlich. Tesla nahm zwar offiziell erste Fahrzeuge des komplett fahrerlosen Cybercab in die Robotaxi-Flotte auf - allerdings nur in geringer Stückzahl, während Musk zuvor einen regelrechten „Sturm“ an neuen Fahrzeugen versprochen hatte. Nach US-Medienberichten waren es rund 1.000 Fahrzeuge, die an diesem Tag freigegeben wurden.
Noch am selben Tag reagierte die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA: Sie eröffnete eine förmliche Untersuchung, ob Tesla die Cybercabs korrekt zertifiziert hat. Der Kern des Problems: Das Fahrzeug hat weder Lenkrad noch Pedale noch Außenspiegel - beides eigentlich von US-Bundesstandards vorgeschrieben. Die Behörde prüft nun, auf welcher Grundlage Tesla die Einhaltung der Sicherheitsstandards erklärt hat und ob dabei bereits Regeländerungen vorweggenommen wurden, die formal noch gar nicht beschlossen sind. Tatsächlich hatte die NHTSA im Juni vorgeschlagen, die Pflicht zu manuellen Bremspedalen bei selbstfahrenden Fahrzeugen abzuschaffen - diese Änderung ist aber noch nicht in Kraft. Die Behörde kann Herstellern zwar erlauben, jährlich bis zu 2.500 Fahrzeuge ohne klassische Bedienelemente auf die Straße zu bringen, doch ob Tesla diesen Weg sauber eingehalten hat, ist jetzt genau die offene Frage.
Frankreich testet FSD - nach Bedenken im Juli
Auf der anderen Seite des Atlantiks bewegt sich die Zulassungsfrage für Tesla FSD in Europa spürbar voran. Frankreichs Verkehrsminister Philippe Tabarot hatte im Juli noch erklärt, die Sicherheitsabwägungen bei Geschwindigkeitsbegrenzung und Fahrer-Aufmerksamkeitswarnung reichten für eine Freigabe nicht aus. Anfang September ließ Paris nun Tests mit zwei Testfahrzeugen auf französischen Straßen zu, um die FSD-Technik selbst zu überprüfen - Tabarot sprach von einem „konstruktiven Austausch“ mit Musk und mehrmonatiger technischer Zusammenarbeit. Ziel ist, bis Mitte oder Ende September eigene Testergebnisse vorliegen zu haben, um rechtzeitig vor der für Anfang Oktober angesetzten EU-weiten Abstimmung eine fundierte Position zu haben. Frankreich will damit auch die Daten gegenprüfen, die bereits von den Niederlanden und von Tesla selbst vorgelegt wurden: Die niederländische Zulassungsbehörde RDW hatte FSD im April vorläufig freigegeben, Belgien, Dänemark, Estland und Litauen zogen seither nach.
Grünheide bleibt unter Ziel
Bei der Fabrik in Grünheide zeigt sich weiterhin eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Die aktuelle Produktionsrate liegt bei unter 6.500 Model Y pro Woche, während das Werk ab Oktober eigentlich 7.500 Fahrzeuge pro Woche schaffen soll. Seit Juni wurde die Ausbringung zwar bereits um rund 20 Prozent gesteigert, für September sind zusätzlich Sonderschichten geplant - ob das reicht, um die Lücke bis Oktober zu schließen, bleibt abzuwarten.
Akku-Studie: Model Y hält deutlich besser durch als der Leaf
Technisch positive Nachrichten liefert eine Auswertung des österreichischen Prüfdienstleisters Aviloo, der auf Basis von 500.000 realen Batterietests die Alterung verschiedener E-Auto-Akkus verglichen hat. Das Tesla Model Y behält demnach nach 50.000 Kilometern im Schnitt noch 94,5 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität, nach 150.000 Kilometern sind es noch 90,3 Prozent. Der Nissan Leaf schneidet im Vergleich spürbar schlechter ab: 91,1 Prozent nach 50.000 und nur noch 86,3 Prozent nach 150.000 Kilometern. Für Gebrauchtwagenkäufer ist das ein handfester Anhaltspunkt, denn die Restkapazität entscheidet direkt über Reichweite und Wiederverkaufswert eines E-Autos - unabhängig davon, wie die Softwareseite bei Robotaxi und FSD gerade dasteht.
Quelle: teslamag.de, ergänzt um Recherchen bei Electrek, TechCrunch und Euronews.
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