Tesla Robotaxi fährt 380.000 Meilen „unsupervised“
Kurz gesagt: Tesla hat laut eigenen Angaben über 380.000 Meilen mit vollständig unbeaufsichtigten Robotaxis in sechs Städten in Texas und Florida zurückgelegt, ohne „nennenswerten“ Zwischenfall. Die Einordnung „nennenswert“ stammt von Tesla selbst - eigene, im Mai 2026 veröffentlichte Unfallberichte aus Austin zeigen daneben 17 Kollisionen seit Juli 2025, darunter auch Fälle, bei denen das System selbst Ursache war. Konkurrent Waymo kommt bei deutlich mehr autonomen Meilen auf eine laut unabhängiger Studie um bis zu 92 Prozent geringere Unfallrate gegenüber menschlichen Fahrern.
Bild: von Joerg geschickt
Wer in ein Robotaxi ohne Sicherheitsfahrer steigt, verlässt sich auf eine einzige Zusage: dass die Technik im Ernstfall genauso zuverlässig reagiert wie ein Mensch - oder besser. Genau diese Zusage stellt Tesla mit einer neuen Kennzahl in den Vordergrund, die aber nur einen Teil der Geschichte erzählt.
Die Zahl: 380.000 Meilen ohne Fahrer
Tesla teilte im Rahmen der Quartalszahlen mit, dass seine Robotaxi-Flotte inzwischen mehr als 380.000 Meilen vollständig unbeaufsichtigt zurückgelegt hat - also ohne Sicherheitsfahrer im Auto und ohne Eingriff durch menschliche Fernsteuerung. Tesla-KI-Chef Ashok Elluswamy sprach von „null nennenswerten Zwischenfällen“; gemeldete Vorfälle seien ausschließlich auf andere Verkehrsteilnehmer zurückzuführen, etwa Auffahrunfälle auf stehende Teslas. Die Flotte ist inzwischen in sechs Städten in Texas und Florida unterwegs - zuletzt kamen Orlando und Tampa hinzu -, die wöchentliche Fahrleistung wächst laut Tesla seit Monaten zweistellig.
Was die eigene Statistik verschweigt
Wichtig zur Einordnung: „Nennenswert“ definiert Tesla selbst, es handelt sich nicht um eine unabhängige Sicherheitseinstufung. Als Tesla im Mai 2026 geschwärzte Unfallberichte aus Austin offenlegen musste, zeigten diese 17 Kollisionen zwischen Juli 2025 und März 2026. Die meisten waren geringfügig und gingen auf menschliche Verursacher zurück, die auf stehende Fahrzeuge auffuhren - einige Fälle entstanden aber nachweislich durch das System selbst, etwa das Streifen parkender Autos oder das Nichterkennen einer dünnen Absperrkette.
Der Vergleich mit Waymo
Konkurrent Waymo ist bei den reinen Meilen deutlich weiter: Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben knapp 200 Millionen vollautonome Meilen absolviert, mehr als 500.000 bezahlte Fahrten pro Woche in zehn US-Städten. Eine 2024 veröffentlichte Studie des Rückversicherers Swiss Re, die 25,3 Millionen Waymo-Meilen auswertete, kam auf 88 Prozent weniger Sachschaden- und 92 Prozent weniger Personenschaden-Ansprüche gegenüber menschlichen Fahrern - eine unabhängige Größenordnung, wie sie für Tesla bislang nicht vorliegt.
Was das für Leser bedeutet
Für den deutschen Markt bleibt die Nachricht vorerst theoretisch: Vollständig fahrerlose Robotaxis sind hierzulande nicht zugelassen, Teslas FSD läuft in Europa weiterhin nur als überwachungspflichtiges Assistenzsystem. Wer die Fortschritte dennoch verfolgt, sollte Teslas Kennzahl als das lesen, was sie ist - ein selbst gewähltes Erfolgsmaß eines Unternehmens, das ein wirtschaftliches Interesse an einer möglichst positiven Außendarstellung hat, nicht als unabhängig geprüften Sicherheitsnachweis.
Quelle: Tesla-Q2-Earnings-Call, unter anderem berichtet von Fox Business; ergänzend Berichte zu den Austin-Unfallberichten sowie zu Waymos Sicherheitsstudie mit Swiss Re.