NHTSA lehnt Mangel-Prüfung zu Teslas Türgriffen ab – startet aber neue Regeln für die ganze Branche
Kurz gesagt: Kurz gesagt: NHTSA lehnt die Forderung nach einer Mangel-Untersuchung zu Teslas elektrischen Türgriffen ab, weil es bislang nur eine passende Beschwerde gibt und keine bestehende Norm verletzt wurde. Gleichzeitig startet die Behörde ein Regelwerk-Verfahren, das künftig für alle Autohersteller klare, gut auffindbare Notentriegelungen vorschreiben soll.
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat eine Petition des Tesla-Besitzers Kevin Clouse abgelehnt, die eine offizielle Mangel-Untersuchung zu den versteckten manuellen Türentriegelungen im Tesla Model 3 gefordert hatte. Betroffen wären 179.031 Fahrzeuge des Modelljahrs 2022 gewesen. Wie das Fachportal Electrek berichtet, begründet die Behörde die Ablehnung damit, dass es bislang nur eine einzige Beschwerde gibt, die exakt zur geschilderten Problematik passt – der Fall des Petenten selbst, bei dem nach einem Frontaufprall der Strom ausfiel und die elektrischen Türgriffe nicht mehr reagierten.
Warum die Behörde trotzdem nicht eingreift
Formal beruft sich NHTSA darauf, dass die geltende Sicherheitsnorm FMVSS 206 keine Vorgaben dazu macht, wo eine mechanische Notentriegelung sitzen oder wie sie gekennzeichnet sein muss. Ohne eine verletzte Vorschrift fehlt der Behörde die rechtliche Grundlage für einen Rückruf. Das Grundproblem ist bekannt: Tesla verbaut in Model 3 und Model Y elektronische Türgriffe, die bei Stromausfall blockieren. Die mechanischen Notentriegelungen sind meist gut versteckt – etwa in Türtaschen oder unter Abdeckungen – und für Insassen wie Rettungskräfte im Ernstfall schwer zu finden. In der Vergangenheit gab es bereits Berichte über Todesfälle und eingeschlossene Personen im Zusammenhang mit genau diesem Design.
Neue Regeln für die gesamte Autoindustrie
Bemerkenswert an der Entscheidung ist der zweite Teil: NHTSA kündigt parallel an, eine neue Bundesvorschrift zu erarbeiten, die künftig ein „robustes und offensichtliches Türausstiegssystem“ in allen Fahrzeugen vorschreiben soll – branchenweit, nicht nur bei Tesla. Die Behörde begründet das damit, dass ein verborgener oder schwer auffindbarer Türgriff Fahrer oder Insassen im Notfall am Verlassen des Fahrzeugs hindern könnte. Solche Regelwerk-Verfahren dauern in der Praxis aber typischerweise Jahre, bis daraus eine verbindliche Vorschrift wird.
Unsere Einordnung
Für aktuelle Tesla-Besitzer ändert sich kurzfristig nichts: Es gibt keinen Rückruf, keine Nachrüstpflicht. Wer ein Model 3 oder Model Y fährt, sollte sich trotzdem einmal bewusst mit der Lage der mechanischen Notentriegelung vertraut machen – im Handbuch oder direkt am Fahrzeug –, statt das erst im Ernstfall herauszufinden. Langfristig ist die angekündigte neue Norm aber die eigentliche Nachricht: Sie würde, sofern sie tatsächlich verabschiedet wird, erstmals verbindlich vorschreiben, dass Notausstiege in jedem Auto leicht auffindbar sein müssen – ein Thema, das mit der Zunahme elektrischer Türöffnungssysteme längst nicht mehr nur Tesla betrifft. Quelle: Electrek.