Video-Check · Wärmepumpe zum Kühlen nutzen

Kann eine Wärmepumpe im Sommer kühlen? Volker Quaschning macht die Physik klar

Energie-Wissenschaftler Prof. Dr. Volker Quaschning (HTW Berlin) rechnet vor, wann eine Wärmepumpe im Sommer wirklich als Klimaanlage taugt – und warum das Taupunkt-Problem in vielen Bestandsgebäuden die Grenze zieht. Wir ordnen ein, was das für deine Kaufentscheidung bedeutet.

Eingebettetes Video von Prof. Dr. Volker Quaschning. Wir betten es nur ein – alle Rechte liegen beim Urheber; die Einordnung ist unsere eigene redaktionelle Meinung.

Unsere Einordnung

Technisch stimmt die Grundidee: Eine Wärmepumpe ist im Kern eine Kältemaschine, die Wärme in eine Richtung pumpt – dreht man den Kreislauf um, kühlt sie. Ob das im eigenen Haus praktisch funktioniert, hängt aber von der Wärmeübergabe ab. Eine Fußbodenheizung eignet sich dafür deutlich besser als klassische Heizkörper: Sie hat eine große Fläche und kommt mit moderaten Temperaturunterschieden zur Raumluft aus. Heizkörper bräuchten für spürbare Kühlung sehr niedrige Vorlauftemperaturen – und genau da beginnt das Problem.

Der zentrale Flaschenhals ist der Taupunkt: Kühlt eine Fläche unter die Taupunkttemperatur der Raumluft, schlägt sich Kondenswasser nieder – an Rohrleitungen, am Fußboden oder an Gebläsekonvektoren. Ungelöst führt das zu Feuchteschäden. Lösungen wie Dämmung der Vor-/Rücklaufleitungen, Abtropfwannen oder eine Steuerung, die die Vorlauftemperatur taupunktgeführt begrenzt, machen das Kühlen sicher – kosten aber zusätzlich Planung und Technik, die viele bestehende Wärmepumpen-Installationen schlicht nicht mitbringen.

Deshalb ist die im Video gezogene Konsequenz nachvollziehbar: Auch Haushalte mit eigener Wärmepumpe rüsten für spürbare Kühlleistung oft zusätzlich eine Klimasplitanlage nach – Single-Split für einzelne Räume, Multi-Split für mehrere Innengeräte an einem Außengerät. Als Effizienzkennzahl zählt hier nicht der COP der Heizwärmepumpe, sondern der EER (Verhältnis von Kälteleistung zu Stromverbrauch). Beim Kältemittel wird zunehmend R290 (Propan) statt des klimaschädlicheren R32 verbaut – ein Punkt, den man beim Gerätevergleich mit abfragen sollte.

Für die eigene Kaufentscheidung heißt das: Steht ohnehin ein Neubau oder eine Sanierung mit Fußbodenheizung an, kann Kühlen über die Wärmepumpe die günstigere Lösung sein – vorausgesetzt, Taupunktschutz ist von Anfang an mitgeplant. In den meisten Bestandsgebäuden mit Heizkörpern bleibt eine separate Klimasplitanlage mit Heizfunktion der realistischere und oft auch günstigere Weg, um akute Sommerhitze in den Griff zu bekommen.

Kurz gesagt: Eine Wärmepumpe kann kühlen – aber nur mit Fußbodenheizung und aktivem Taupunktschutz zuverlässig. In den meisten Bestandsgebäuden mit Heizkörpern ist eine separate Klimasplitanlage (Single- oder Multi-Split, idealerweise mit R290) der praktikablere Weg.

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